Mittwoch, 26. August 2015

Gabriela Behling - Frisches Futter für ein langes Hundeleben


Unser fünftes Buch.

Diesmal geht es um eines meines Lieblingsthemen, die gesunde Ernährung unserer Hunde und der Klappentext verspricht nicht nur irgendein weiteres Futterbuch, sondern diesmal soll sich echtes Expertenwissen zwischen den Buchdeckeln verbergen. Die Autorin beginnt sofort damit ihre eigene, nach ausgewählten Quellen selbst entworfene Ernährungsform die „mediterrane Diät“ zu bewerben und gegen die Ideologie von Barfern und Fertigfutterfütterern zu wettern.
Behling wirft den Verkäufern von Fertigfutter und den Barfern vor die Angst um die Fehlernährung zu instrumentalisieren, um ihre Ernährungsform zu bewerben. Sie selbst hingegen startet die Einführung in die Futterlehre mit der Geschichte ihres Dalmatiners, der durch einen Gendefekt in Kombination mit einer massiven, einseitigen Fehlernährung quasi zu Tode gefüttert wurde.

Generell dreht sich das Buch im Grunde sehr stark ausschließlich um die Rasse Dalmatiner und ihre genetische Veranlagung zu Nierenerkrankungen und Nierensteinen. Generell gewinnt der Leser sehr schnell den Eindruck, dass die Autorin vom Thema Niere geradezu besessen zu sein scheint und alle Hunde immer und überall Gefahr laufen an Nierenerkrankungen zu Grunde zu gehen. Und so beginnt die Autorin, die noch im ersten Kapitel so vehement gegen die Ideologie der anderen gewettert hat, ihre eigene Futterideologie zu spinnen und alles dreht sich um Dalmatiner, Nieren und Purin.

Die Autorin vergisst dabei selten, auf ihren Expertenstatus hinzuweisen. Wieso sie als Apothekerin Fachfrau für Hundeernährung ist, erklärt sie dabei nur unzureichend. Es wird zwar gerne gegen andersdenkende Tierärzte ausgeteilt und darauf verwiesen, dass diese nicht automatisch Ahnung von Hundefütterung haben, jenen Tierärzten, die ihrer eigenen Ideologie anhängen, wird jedoch uneingeschränkte Vertrauenswürdigkeit und großes Fachwissen attestiert. Statt medizinisch belegbarer Fakten präsentiert die Autorin immer wieder ihre persönliche Meinung als unumstößliche Wahrheit, dass das wissenschaftliche Fundament für ihre Aussagen meist fehlt, versucht sie mit beharren auf ihrem Expertenstatus zu überdecken.

Bei der Vorstellung möglicher Futterbestandteile beißt sich die Autorin an einigen Themen regelrecht fest, lässt aber den großen Überblick vermissen. So wird bei Milchprodukten zwar lang und breit über das Protein und Kalzium Thema referiert, das eigentliche Problemthema Laktose wird aber mit keiner Silbe erwähnt. Zwischendrin tauchen immer wieder die Themen Dalmatiner und Purin auf und beginnen die Nicht-Dalmatinerbesitzer unter den Lesern langsam zu nerven. Auffällig ist bei den Futterbestandteilen, dass sich ungewöhnlich viele der aktuell so modernen Superfoods in die Liste geschlichen haben.

Wirklich bizarr wird es dann endgültig, wenn man zu den Rezepten kommt. Die Zutaten sind alle sehr schick und trendy und vor allem – auch wenn sich mal das Wort „Pansen“ dazwischen schummelt – sehr clean. Es gibt Balsamico Essig und Olivenöl – natürlich kalt gepresst – dazu Rote Beete Bällchen, Fischstäbchen und Toast. Und obwohl die Autorin auf der einen Seite für Frische und Natürlichkeit plädiert, finden sich in fast allen Rezepten industrielle Suppenbrühwürfel als Zutat, dazu gibt es eine Menge verarbeitetes weißes Weizenmehl in Form von Toast und Brötchen und die obligatorischen Dosentomaten.
Generell fühlen sich die Rezepte einfach falsch an. Wenn man die Anleitungen für Überbackenen Tomaten Nudelauflauf, Fischstäbchen mit Tiefkühlspinat zum Abendessen und warmen Toast mit Honig oder warmen Milchreis zum Frühstück liest, fragt man sich unwillkürlich, ob man hier nun für den Hund oder das eigene Kind kochen soll. Die Vermenschlichung hat an dieser Stelle endgültig Einzug in den Futternapf des Hundes gefunden.

Da die Autorin noch nicht genug über Dalmatiner, Purin und Nierenschäden geschrieben hat, gibt es noch je ein extra Kapitel zu diesen Themen, doch an dieser Stelle dürften die meisten Leser schon abgeschaltet haben.

Es wird sicher viele Leser geben, die der Ideologie von Frau Behling folgen würden. Die Rezepte sind trendy und schick, mediterrane Küche ist in und hebt das Hundefutter in eine neue kulinarische Dimension. Ob es wirklich so artgerecht und gesund ist, wie uns die Autorin glauben machen möchte, wage ich an dieser Stelle aber zu bezweifeln. Ich denke es ist müßig zu erwähnen, dass dieser Ernährungsratgeber keinen dauerhaften Platz in meinem Buchregel bekommen wird.

Nach diesem Ausflug in die Welt der Hundeernährung führt uns Buch Nummer sechs wieder zurück in die Sportwelt mit Milan Hoyer und Klaus Jadatz‘ „Fährtenarbeit – Fährten lernen ohne Stress und Zwang“

Donnerstag, 30. Juli 2015

Welpenkäufer in der Pflicht




Es wird überall nach den Pflichten des Züchters geradezu geschrien. Jede Woche bringt ein neues Boulevardformat einen TV-Beitrag in dem angeprangert wird, dass die Züchter mehr machen müssen, jeden Monat erscheinen unzählige Artikel darüber, dass der VDH und die FCI nicht genug Verantwortung übernehmen und noch mehr für die Gesundheit der Rassen tun müssen, um zum Einen die Hunde zu schützen, aber auch vor allem um die Welpenkäufer zu schützen. Denn ein kranker oder charakterschwacher Welpe bedeutet großes Leid und hohe Kosten für die neuen Besitzer. Der Welpenkäufer ist in vielen Fällen das arme Opfer und nimmt sich selbst auch gerne als solche wahr. Doch was ist mit der Verantwortung der Welpenkäufer und mit ihren Pflichten? Es wird immer auf Züchter und Zuchtverband gezeigt, den dritten Beteiligten lässt man jedoch gerne außen vor.

Die Aufgaben von Züchter und Zuchtverband sind klar und tauchen in jeder Diskussion erneut auf, lückenlose Gesundheitsuntersuchungen, artgerechte Aufzucht, Ausbildung und Haltung, Verpaarungen nur mit gesunden, standardgerechten und wesensfesten Tieren, umfangreiche Prägung der Welpen, ständiges Erweitern des eigenen Wissens und für den Verband die Überwachung der Einhaltung dieser Ansprüche und die Aufklärung und Ahndung von Verstößen.

Und der Welpenkäufer? In der Vorstellung vieler besteht seine einzige Pflicht in der Bezahlung des ausgesuchten Welpen. Allerdings sollte man hier etwas weiter denken. Wer einen gesunden Hund haben möchte, ist selbst gefordert Verantwortung zu übernehmen, von der Auswahl der Rasse vor dem Kauf bis hin zum Tod des Hundes.

Noch nie war es so leicht sich derart umfangreich zu informieren wie heutzutage mit Hilfe der neuen Medien. Deshalb sei es an dieser Stelle einmal ganz klar gesagt, wer heute noch bei einem Hundehändler oder einem Vermehrer kauft und im Anschluss mit einem kranken und/oder verstörten Hund dasitzt, kann von mir kein Mitleid erwarten. Denn wer sich heute noch in dieser Form über den Tisch ziehen lässt, trägt selbst die Schuld an seiner Misere. Anders als früher, als man auf Erfahrungen im Bekanntenkreis zurückgreifen musste, lassen sich heute mit nur wenigen Minuten im Internet die Grundregeln zum Welpenkauf eruieren. Allein dieses Wissen würde bereits ausreichen um den Kauf bei den meisten dubiosen Händlern zu vermeiden. Sicher gibt es in der Zwischenzeit auch jene, die nicht mehr so offensichtlich zu enttarnen sind. Doch auch für die besser verborgenen schwarzen Schafe unter den Verkäufern reicht ein Abend Internetrecherche aus, um zu wissen woran man sie erkennt.

Doch beim Gedanken an die süßen kleinen Welpen vergessen viele Leute alle Vorsicht. Oftmals ist selbst die Rasse dann egal. Hauptsache zum passenden Zeitpunkt ist der Hund verfügbar, der Abholungsort ist nicht zu weit weg und wenn er dann noch günstiger ist, als beim nächsten Züchter schaltet sich der gesunde Menschenverstand bei vielen leider endgültig aus. Allerdings muss sich jeder, der in einer solchen Situation einen kranken Hund ersteht im Klaren Darüber sein, dass ihn seine eigene Unvernunft in diese Lage gebracht hat.

Eine weitere Pflicht des Welpenkäufers noch vor der richtigen Auswahl eines Züchters besteht vorerst in der Auswahl der richtigen Rasse. Noch immer kaufen sich Scharen an Welpeninteressenten ihre Hunde aus vollkommen falschen Beweggründen. Oftmals ist man auf der Suche nach einer bestimmten Moderasse oder auch dem Gegenteil, dem absoluten Exoten, den auf der Hundewiese und in der Hundeschule niemand sonst hat. Andere kommen mit vollkommen verzerrten Rassevorstellungen zu der Überzeugung, dass Rasse X genau das richtige für sie ist, ohne je ein lebendes Exemplar dieser Rasse zu Gesicht bekommen zu haben. Wissen was eine Rasse ausmacht in ihrem Charakter, ihrem Aussehen, ihren Ansprüchen an die Haltung und auch mit welchen Krankheiten sich die Population herumschlägt gehört zu den Pflichten eines jeden Welpenkäufers. Wer nicht weiß, wie ein gesunder, charakterfester Vertreter der angestrebten Rasse auszusehen und sich zu benehmen hat, wird einen gestörten oder kranken Hund nicht erkennen und ist auf sein reines Glück angewiesen. Wer weiß worauf zu achten ist, wird mit einer weitaus geringeren Wahrscheinlichkeit mit seiner getroffenen Wahl unglücklich werden.

Beim Kauf des Welpen ist für viele die Pflicht des Welpenkäufers mit Zahlung des vollen Preises endgültig abgeschlossen. Doch an dieser Stelle beginnt eigentlich die größte Verantwortung eines Rassehundebesitzers, eine Verantwortung der sich die meisten Käufer jedoch entziehen. Aus allen Ecken hört man die Rufe, dass bekannt sein muss, was Zuchthunde vererben, dass nur mit solchen Tieren gezüchtet wird, die auch gesunde Nachkommen haben. Doch woher soll der Züchter dieses Wissen beziehen? Die eine Nachzuchthündin, die er selbst behält und vielleicht die ein zwei Hunde, die er im unmittelbaren Umfeld verkauft, reichen für eine Beurteilung nicht aus. Hier sind alle Welpenkäufer gefragt und dennoch zieht sich der Großteil mit fadenscheinigen Ausreden aus der Affäre. Man wolle ja selber nicht züchten, man wolle keinen Sport machen mit dem Hund, man wolle ja nur einen Familienhund… und aus diesen Gründen lässt man den eigenen Hund nicht auf gängige Rassekrankheiten untersuchen. Wozu das Geld investieren für die HD-Röntgenuntersuchung und die Auswertung so lange der Hund keine Beschwerden hat? Wozu Blut- oder Herzuntersuchungen bezahlen, so lange es keine medizinischen Probleme gibt?

Weil jeder für sich in Anspruch nimmt, dass er auch in der nächsten Generation wieder einen Welpen kaufen kann, der zu einem gesunden und wesensfesten Hund heranwächst. Doch das ist nur möglich wenn die Züchter wissen, was die einzelnen Hunde und deren Linien vererben. Mit einzelnen getesteten Hunden lässt sich jedoch nur eine grobe Tendenz erahnen, je vollständiger die Generationen untersucht sind, desto aussagekräftiger ist das Bild, das sich ergibt. Wer von Züchtern verlangt, dass sie über genügend Wissen verfügen um gesunde von gesundheitlich bedenklichen Linien unterscheiden zu können, muss dazu beitragen, dass den Züchtern genügend Daten zur Verfügung stehen, um diese Unterscheidung auch treffen zu können.

Gleiches gilt bei vielen Rassen auch immer noch in Sachen Ausbildung. Das Wesen, der Charakter einer Rasse wird maßgeblich von ihrer Aufgabe und ihrer Eignung für diese Aufgabe bestimmt. Wer von sich behauptet, dass ihn der Charakter einer der unzähligen Arbeitsrassen fasziniert und er aus diesem Grund einen solchen Hund besitzen möchte, sollte auch hier dafür Sorge tragen, dass der Züchter einen Überblick hat, wie tauglich die gezüchteten Hunde aus den einzelnen Verbindungen sind und sollte die Hunde ihrer Rassebestimmung gemäß ausbilden und arbeiten.
Und auch am Ende der gemeinsamen Zeit mit seinem Hund ist der Welpenkäufer nochmals in der Pflicht. Todeszeitpunkt und Ursache sollten nie ein Geheimnis sein. Ein ehrlicher Überblick über das Ableben der Nachzucht bringt erneut mehr Einsicht in die Gesundheit der Population.

In diesen Punkten sollte sich jeder Welpenkäufer in der Pflicht fühlen und sich der Verantwortung seiner Rasse gegenüber bewusst sein. An diesem Punkt sollte man sich schlicht im Klaren darüber sein, dass es nicht nur um den einen Hund oder den einen Züchter geht. Wie oft habe ich in den vergangen Monaten gelesen „Der Züchter war ein Unsympath, den werde ich nicht auch noch unterstützen.“ Es geht nicht darum, diesem einen Menschen zu helfen, noch mehr Welpen von dieser einen Hündin zu verkaufen. Es geht darum einen möglichst vollständigen Überblick über den gesundheitlichen und leistungstechnischen Zustand einer Rasse zu schaffen, auf den alle Züchter und Welpeninteressenten jetzt und in Zukunft zurückgreifen können.

In den diversen Medienberichten wird stets gefordert dass Züchter und Zuchtverbände etwas ändern müssen. Ja, das müssen sie in einigen Bereichen. Doch an dieser Stelle sei ganz klar gesagt, dass sich auch die Welpenkäufer endlich ändern müssen, um etwas zu bewegen.
 

Freitag, 17. Juli 2015

Showtime


 
Wir wollen alle eine gute Figur machen, niemand fühlt sich gerne blamiert. Wir wollen einen positiven Eindruck machen, egal was wir tun, es soll gut aussehen und uns gut aussehen lassen. Ein natürliches Bedürfnis der meisten Menschen. Doch leider treibt dieses Verlangen gerade auf Hundesportplätzen immer seltsamere Blüten.

Das erste Mal fiel es mir im vergangenen Jahr auf einem Trainingswochenende auf. Ein Teilnehmer präsentierte seinen jungen Hund. Eine schöne ansehnliche Vorstellung, ein wenig Fußlaufen, ein paar Winkel, Abrufen aus dem Platz. Der Hund arbeitete freudig und alles war hübsch anzusehen. Auf die Frage nach anderen Übungen, meinte der Hundeführer, nein, habe er bislang mit dem Hund noch nicht begonnen. Das Angebot mal eine andere Übung zu versuchen und sich mögliche Herangehensweisen zeigen zu lassen, wurde vehement abgelehnt. So was wolle man zuerst in Ruhe Zuhause im Garten ausprobieren. Mehr wurde dazu nicht mehr gesagt.

Hielt ich das damals noch für den persönlichen Spleen dieses einen Teilnehmers, ist es mir in den folgenden Monaten immer öfter aufgefallen, dass es immer mehr Hundesportler zu geben scheint, für die der Übungsplatz nicht mehr zum Üben da ist, sondern die vor den Sportkollegen nur noch die einstudierte Show aufführen.

Anderes Trainingswochenende, gute 40 Teilnehmer, anwesende Hunde der Teilnehmer… vier Stück. Auf die Nachfrage, wieso niemand seinen Hund dabei hat folgte ein kollektives Schulterzucken. Es war nicht das Wetter schuld, nicht die Frage nach der Anreise mit Hund. Nach anfänglichem Schweigen kamen die ersten Eingeständnisse aus den Reihen. „Hier trainieren Hundeführer die hoch führen, was soll ich da vorzeigen?“ Und wieder war sie da, die allgegenwärtige Angst sich vor den anderen, vor vermeintlich besseren Hundeführern zu blamieren. Doch auch Statements in die andere Richtung erfolgten. Man habe schließlich einen Ruf zu verlieren, wie würde es denn aussehen, wenn man sich hier zum Hampelmann macht, weil der Hund heute keine Lust hat zu arbeiten. Da lachen einen dann die Anfänger aus und erzählen weiter, dass der XY nur große Töne spuckt und seinen Hund nicht geregelt bekommt.
Ich kannte den betreffenden Hundeführer nicht, also so groß und überragend konnte sein Ruf nicht sein, bis zu mir war er auf jeden Fall nicht vorgedrungen. Aber dennoch war er besorgt bei einem öffentlichen Training sein Gesicht zu verlieren.

Später tönen sie dann oft, man wolle ja nicht jeden Pfuscher an den eigenen Hund lassen, am Ende verdirbt einem der noch alles und so lange man nicht wisse, wie gearbeitet wird, hält man seinen Hund da besser fern. Verständlich, aber wenn man dieselben Teilnehmer zum dritten Mal bei diesem Ausbilder sieht, fragt man sich irgendwann, wann sie denn endlich davon überzeugt sind, dass dieser Jemand sein Handwerk versteht. Andere verkünden, man wolle sich nicht überall drein reden lassen, schließlich wisse man selber, was man tut. Wieso man dann Geld für ein Seminar ausgibt… keine Ahnung.

Eine traurige Entwicklung, die immer weiter um sich greift. Natürlich gehören die Arbeit zu Hause und die Einheiten außerhalb des Hundeplatzes zum Training dazu, ohne sie geht es nicht. Doch ist es einfach schade und nicht sehr förderlich für die Gemeinschaft innerhalb des Vereins, wenn die gemeinsame Trainingszeit im Verein zu einem reinen Showlaufen der Eitelkeiten wird. Man studiert zuhause seine kleinen Tricks ein, legt sich die Übungen zu recht, bei denen man besonders gut aussieht und präsentiert sich und seinen Hund dann von der besten Seite, um möglichst viel Applaus einzuheimsen.
Lösungen erarbeiten, auch einmal Misserfolg haben und daraus lernen und auch Fehler erkennen und neue Wege einschlagen, all das verschwindet immer mehr aus der Öffentlichkeit, ab ins stille Kämmerlein, wo einem niemand zusehen kann. Auf der einen Seite lauert immer die Angst, dass die Tierschutztaliban im Tarnanzug im Gebüsch sitzen und nur darauf warten eine unglückliche Situation zu filmen, die sich mit etwas kreativen Schnitt und dramatischem Voice-Over zu Tierquälerei umdichten und im nächsten „Aufklärungsvideo“ verwenden lässt, auf der anderen Seite steht das eigene Ego, das nicht zulassen möchte, dass man vor den Anderen einen Fehler begeht.

Es fehlt nicht mehr viel und manche Hundesportler werden nur noch zu Prüfungen irgendwo in Erscheinung treten und den Rest der Ausbildung irgendwo versteckt und gut verborgen absolvieren, bis sie reif für ihre Showkarriere vor dem Richter sind. Oder bis sie irgendwo auf ihrer privaten gut versteckten Trainingswiese in Schönheit gestorben sind, weil es ihnen nie gelungen ist, ihre Show genug zu perfektionieren, um damit vor die Augen der anderen treten zu können.

Ich hoffe sehr, dass ich die Endphase dieser gruseligen Entwicklung nicht mehr miterleben werde und immer Hundeführer um mich haben werde, denen es nicht darum geht, möglichst gut dazustehen, sondern die in erster Linie Wert darauf legen gemeinsam mit ihrem Hund und ihren Trainingskollegen zu lernen.

Samstag, 11. Juli 2015

Sabine Neumann - TierHeim Schicksal oder Chance


Unser viertes Buch.

 
Nachdem ich die Autorin vor Jahren auf einem Vortrag kennenlernte, habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut. Nach mehreren Jahren aktiver Tierschutzarbeit ist das Thema immer noch von großem Interesse für mich  und Überlegungen zu alternativen Haltungsformen im Tierheim und neue Erkenntnisse rund um den Hund im Tierschutz können nie falsch sein.

Der erste Eindruck des Buches ist…. Bunt. Viele und vor allem große Bilder teilen sich so ziemlich jede Seite mit kleinschriftigen Texten, ab und an wird noch eine Grafik dazugestellt. Auch wenn ich kein Fan dieser Bilderflut bin, hat der erste Eindruck nicht abgeschreckt. Das Vorwort hingegen schon. Diese kurze Ausführung der Autorin wirkt beim Lesen sehr selbstverliebt und man gewinnt den Eindruck, dass Tierheime durch und durch grauenhafte Orte ohne Verständnis für ihre Bewohner waren, bis die Autorin auf den Plan trat. Auch klingt hier bereits die erste Werbung für die Animal Learn Ausbildung an.

Im ersten Kapitel werden die allgemeinen Abgabegründe für Tierheimhunde behandelt, kurz und eher oberflächlich ohne besondere Erkenntnisse die im Gedächtnis haften bleiben würden, huscht die Autorin über dieses Thema hinweg. Dem nächsten Thema nämlich der – ihrer Meinung nach – idealen Unterbringung von Hunden, sowie dem Umgang mit ihnen, widmet die Autorin mehr Raum. Ihre Ausführungen sind durchaus nachvollziehbar und haben viele positive Ansätze, doch bisweilen wirken sie etwas realitätsfremd. Sicher kann man sich seine Idealvorstellungen zu recht legen, man sollte sich jedoch bewusst sein, dass in Zeiten in denen viele Tierheime und Tierschutzvereine auf Grund schwindender Spendenbereitschaft am Rande der Existenz und Finanzierbarkeit balancieren, Aussagen wie „Geld darf keine Rolle spielen und finanzielle Interessen müssen immer dem Wohl des Hundes untergeordnet werden bei Planung und Bewirtschaftung von Heimen“ schlicht utopisch sind. Auch andere Ansichten stoßen etwas sauer auf. So wird bei bestimmten Rassen wie u.a. dem Pitbull, dem Stafford oder auch dem Riesenschnauzer pauschal empfohlen die Rüden zu kastrieren, um die rassetypisch gesteigerte Aggressionsbereitschaft besser zu kontrollieren. Ein unschöner Tiefschlag für alle jene die versuchen über die Mythen des aggressiveren Kampfhundes und der Kastration als Allheilmittel bei Aggression aufzuklären. Leider wird auch die Kastration der Hündin als Garant für ein krebsfreies Leben angepriesen.

Generell fällt einem beim Lesen des Öfteren auf, dass die Autorin ihre eigenen Überzeugungen regelmäßig als unumstößliche Fakten präsentiert und jedes im AL Verlag erschiene Buch aus dem zitiert wird automatisch zur wissenschaftlich belegten Studie mutiert.

Im weiteren Verlauf wird kurz auf verschiedene Verhaltensprobleme, gesundheitliche Themen und mögliche Lösungen und Therapien eingegangen. Ich muss gestehen, dass dieser Teil auch nur wenig im Gedächtnis haften geblieben ist. Festgesetzt hat sich einzig der Tipp, dass man auch Leine und Geschirr in passender Farbe wählen sollte, um die entspannende Wirkung der Farbtherapie auf den Hund zu verstärken.

Leider sind es immer solche Punkte, die aus diesem Buch in Erinnerung bleiben. Auf der Sachebene wird das Meiste eher kurz und sehr oberflächlich angerissen, oftmals nicht einmal thementreu, so wird aus dem Kapitel zur Rückgabe eines vermittelten Hundes am Ende ein längerer Diskurs über den Umgang von Kindern mit Hunden. Deutlich hervorgehoben wird die emotionale Seite. Nach kurzen Themengebieten wie Vermittlungsgespräch, Auswahl des richtigen Hundes, etc. folgen stets sehr ausufernde und emotionale Beispiele in denen leider sehr häufig ein sehr abwertender Tonfall anderen Menschen gegenüber mitschwingt. So kommen immer wieder Seitenhiebe gegen Züchter, andere Hundetrainer und Hundesportler. Aber auch den früheren Besitzern der Hunde aus den Beispielen werden immer wieder niedere Beweggründe untergeschoben. So ist wiederholt von „abschieben“ die Rede, ohne auf Vorgeschichten genauer einzugehen. Ob die Verwandten eines Verstorbenen sich wirklich nur aus Egoismus des hinterbliebenen Hundes entledigt haben? Oder könnte es nicht sein, dass es deren Lebensumstände einfach unter keinen Umständen zuließen, sich verantwortungsvoll um einen Hund zu kümmern? Verständnis für Einzelschicksale oder auch einfach nur eine objektive Herangehensweise an die Geschichten sucht man vergeblich.

Doch auch den Hunden tut das Buch bisweilen einen Bärendienst. Während Tierschützer und Freunde von Tierheimhunden immer wieder betonen, dass es eben auch den unkomplizierten, freundlichen Familienhund im Tierheim gibt, beschleicht einen bei der Lektüre das Gefühl, dass Tierheimhunde zutiefst labile Kreaturen sind, die man nur mit Samthandschuhen anfassen darf. Sicherlich ist ein Tierheimaufenthalt Stress und keine optimale Lebenssituation, doch erscheint mir der beschriebene Seelenzustand der Tiere in diesem Buch etwas überdramatisiert. Sicher gibt es sie, die äußerst anspruchsvollen Tiere, die durch Trauma, Krankheit oder anderen Unwägbarkeiten viel Vertrauensaufbau und Training benötigen. Doch dadurch, dass man diese Gruppe derart stark in den Focus dieses Buches gerückt hat, schreckt man viele Interessenten ab.

Den Abschluss des Buches bilden schließlich zehn Seiten auf denen vorherigen Inhalte nochmals wiederholt werden, als eine Art Lerntafeln, garniert mit etwas Werbung für die AL Ausbildung, Trainer und weitere Produkte aus dem Verlagshaus und dem Onlieshop. Zieht man diese Werbung, die ausladenden Fallbeispiele und die unzähligen Fotos ab, bleibt leider nicht mehr sehr viel gehaltvoller Inhalt übrig. Eine Tatsache die sehr schade ist, da Neumanns Vortrag zum Thema sehr interessant war und viele – auch in der Realität umsetzbare – Anregungen für den Tierheimalltag gab. Etwas das diesem Buch zu ihrem ehemaligen Seminar – in der Zwischenzeit wird dieses von einer anderen Referentin abgehalten – leider nicht gelingen will.

Als nächstes auf der Leseliste: Gabriela Behling: „Frisches Futter für ein langes Hundeleben“

Samstag, 27. Juni 2015

When the Going gets tough...




…setzen wir uns einfach in die Ecke, jammern herum und lassen uns dafür noch Applaus klatschen. Ein Trend der in der Dobermannszene gerade sehr verbreitet ist.

Ja, auch ich habe am 12. Juli 2014 verkündet, dass ich die Schnauze voll habe vom Dobermann. Allerdings war dies eine reine Trotzreaktion gegen viele Unsinnigkeiten und selbst ernannte Rasseretter und die Einsicht, dass schmollend im Kämmerlein zu hocken nichts ändern wird, kam schnell über mich. Doch zurzeit schwappt diese Welle über viele Homepages und Facebook Seiten von Züchtern und Hobbyvermehrern gleichermaßen. Sie alle geben tränenreich bekannt, dass sie ihre Zucht einstellen, zu schwer wiege der Verlust der Nachzucht die an DCM verstorben ist, zu groß sei die Liebe zur Rasse und zu gewaltig die Verantwortung den Welpenkäufern gegenüber. Man wolle erst wieder in die Zucht einsteigen, wenn der Gentest fertig sei, vorher sei Zucht einfach verantwortungslos.

Um es mit den Worten zu sagen, die Dr. Wess auf seinem Vortrag in Linz wählte… das ist natürlich auch eine Lösung. Wenn jeder die Zucht einstellt, hat sich das DCM Problem in Kürze von alleine geklärt. Werden keine Dobermänner mehr geboren, stirbt die Rasse aus und mit der Rasse verschwindet das DCM Problem. Eine sehr bizarre Herangehensweise, aber doch eine sicher wirkungsvolle…

Das Warten auf den DCM Gentest aus Hannover ist eines der großen Schlagworte geworden. Dass bis heute offensichtlich noch immer nicht geklärt ist, mit welchen Forschungsgeldern dieses Projekt überhaupt bewerkstelligt werden soll, wird beim hoffnungsvollen Bewerben der Blutprobensammelaktion allerdings gerne verschwiegen.

Stattdessen bejubelt man den Rückzug von Züchtern und Vermehrern als „mutigen Schritt“, gratuliert ihnen zu ihrer Courage und spricht von Achtung und Respekt vor der Entscheidung. Blickt man sich in den Reihen der mutigen Aussteiger um, geht das Kopfschütteln weiter. Der Dissidenzvermehrer, dessen Hunde nie in ihrem Leben ein Holter gesehen haben und zwischen den einzelnen Würfen schon einmal Name und Abstammung gewechselt haben, lässt sich ebenso bejubeln wie der ehemalige DV Züchter, der schon beim Kauf der potentiellen Zuchthündin  gewarnt wurde, dass die Linie als besonders belastet gilt und trotzdem alle Warnungen in den Wind schlug, Kritiker auf das Übelste beschimpfte und fröhlich weitere Linienzucht auf früh verstorbene Ahnen betrieb. In beiden Fällen war der Katzenjammer groß, als die ersten Hunde verstarben. Vermehrer X wechselte ein paar Mal den Zwingernamen und als das Geschäft sich trotzdem nicht erholte, ließ er sich zu dem heldenhaften Entschluss hinreißen, den Dobermann an den Nagel zu hängen und zu einer anderen Rasse zu wechseln. Züchter F tat es ihm gleich und nahm tränenreich seinen Abschied von der Zucht, nicht ohne lauthals zu verkünden, dass ihn ja niemand im Vorfeld aufgeklärt und vor den Risiken gewarnt hätte. Nun lassen sich beide und ein Dutzend anderer seit einigen Monaten als die tragischen Helden feiern, die den Ernst der Lage erkannt und die Brocken hingeschmissen haben.

Jedoch nicht ohne im Vorbeigehen noch verächtlich auf all jene zu spucken, die auch in den schlechten Tagen nicht den sterbenden Schwan mimen, sondern immer wieder aufs Neue versuchen das Problem in der Praxis zu lösen. In der verrückten Welt der Dobermannliebhaber bekommen jene Züchter, die sich um die Rasse bemühen den schwarzen Peter. Eine einzige Entscheidung, die dem Internetmob nicht gefällt, reicht aus, um aus einem bisher hochgeachteten Vorzeigezüchter eine dubiose Person zu machen, deren Aktionen misstrauisch beäugt und deren Zuchtprojekte als unmoralisch und verbrecherisch öffentlich angeprangert werden.  Diejenigen, die sorglos mit dem Thema umgegangen sind und für ihre kritikwürdigen Zuchtpraktiken die Quittung bekommen, werden bejubelt, sobald sie sich auf die Seite des Mobs schlagen und ordentlich mit Dreck nach den verbliebenen Züchtern werfen.

Die gesicherte gesunde Linie gibt es derzeit nicht mehr und bis Bern in Zusammenarbeit mit München die Antwort finden wird, was genau zur DCM Erkrankung führt – nein ich glaube nicht, dass die Lösung aus Hannover kommen wird – wird noch eine geraume Zeit vergehen. Bis dahin können wir uns heulend in die Ecke setzen und uns dafür, dass wir aufgegeben haben auf die Schulter klopfen lassen, oder wir können das Möglichste tun, um gesunde Hunde zu züchten. Es wird weiterhin DCM Fälle geben, auch wenn sich Züchter die größte Mühe geben. Ein großer Schritt wäre schon einmal getan, wenn man Züchtern die Möglichkeit geben würde, offen mit dem Thema umzugehen und nicht auf Grund jedes erkrankten Hundes eine Hexenjagd auf einen Zwinger zu eröffnen. Der digitale Pranger hat wiederholt bewiesen, dass er kein geeignetes Mittel ist, um Transparenz und einen produktiven Austausch zum Thema zu fördern. Doch leider beschleicht einen immer mehr das dunkle Gefühl, dass die selbsternannten Retter der Rasse mehr Interesse an einer möglichst spektakulären Schlammschlacht und der öffentlichen Diffamierung einzelner Züchter und Deckrüdenbesitzer. Manchmal möchte man meinen, dass dieses illustre Grüppchen erst dann zufrieden ist, wenn sich auch der letzte Züchter für seinen ruhmreichen Abtritt applaudieren lässt und damit das von ihnen so lange beschworene Aussterben des Dobermannes endlich begonnen hat. Sollen sie in ihren Kämmerlein hocken, ihre flüchtenden Helden bejubeln, die ab übermorgen Labradoodle oder Zwerghamster züchten und sich dabei wichtig vorkommen. Ich ziehe meinen Hut vor all jenen, die weiter machen, die die Forschungen in München unterstützen und ihr menschenmöglichstes tun, um Dobermänner mit geringem DCM Risiko zu züchten.

When the Going gets tough the Tough get going.


Mittwoch, 24. Juni 2015

Boykottieren wir China!




Seit ein paar Tagen ist die Hundeausstellungswelt in heller Aufruhr. Ein österreichischer Richter hat sich öffentlich gegen die Vergabe der FCI World Dog Show an Russland (2016) und China (2019) ausgesprochen. Zu brutal der Umgang mit Hunden zu wenig Rücksicht auf die Menschenrechte, in diesen Ländern und die Internetgemeinde klatscht ordentlich Applaus, teilt das Posting, wettert gegen die FCI und schreit nach Petitionen.

Auf das Thema Menschenrechte möchte ich hier nicht weiter eingehen, diese politische Dimension passt nicht zu diesem Blog, aber zu der Frage „wie kann man eine Hunde Show in einem Land abhalten, in dem Gewalt gegen Tiere so normal ist“ möchte ich mir doch meine Gedanken machen.

In diesem Jahr war die World Dog Show in Mailand, Italien. In einem Land in dem es in ländlichen Gegenden immer noch normal ist, Hunde an der Kette zu halten. In einem Land in dem man untaugliche Jagdhunde erschießt oder einfach aussetzt und sich selbst überlässt. In einem Land in dem in den städtischen Tierauffangstationen hunderte Hunde vor sich hinsiechen und drauf warten eingeschläfert zu werden.

Wieso wurde nicht gegen Italien protestiert?

2013 wurde die World Dog Show in Budapest Ungarn abgehalten. Einem Land in dem Hundefänger die Straßenhunde von den Hund in Auffanglanger schaffen. Wo sie in Käfigen und an Ketten warten, bis sie euthanasiert oder von Tierschützern abgeholt wurden.

Wieso wurde nicht gegen Ungarn protestiert?

2003 wurde die World Dog Show in Dortmund, Deutschland abgehalten. Einem Land in dem letztes Jahr eine Dobermannhündin mit Klebeband gefesselt und in einem See ertränkt wurde. Einem Land in dem man 2013 einen gehäuteten Welpen in einer Hecke gefunden hat. Einem Land in dem regelmäßig Tierschutzauffangstationen und Vermehreranstalten ausgehoben werden, wo verhungerte und von anderen Tieren getötete Kadaver herumliegen.

Würde jemand gegen Deutschland protestieren?

 

Man sitzt sehr bequem hoch oben auf seinem westlichen Ross und blickt mit gerümpfter Nase um sich, obwohl man sich vielleicht erst einmal an selbige fassen sollte. In Dänemark hat man versucht ganze Rassen mithilfe des Gesetzes auszurotten, in Großbritannien werden jedes Jahr untalentierte Rennhunde auf grausame Weise entsorgt, in den USA euthanasiert man Monat für Monat tausende Hunde die im Augenblick niemand haben will…

Sind unsere Gesellschaften im Westen wirklich so zivilisiert und fortgeschritten im Umgang mit unseren Hunden, dass wir uns aufspielen dürfen ein ganzes Land, ein ganzes Volk zu verurteilen, dass sie nicht das Recht hätten, mit einer solchen Show bedacht zu werden, weil der Umgang mit den Hunden zu grausam sei?

China mag aus diversen Gründen keine glückliche Wahl sein, aber sich hinzustellen und die Aberkennung der Zusage auf Grund dieses Arguments zu fordern, ist in meinen Augen einfach verlogen. Die Herren Richter, Facebook-Fans und Petitionsschreiber sollten vielleicht erst einmal die Ärmel hochkrempeln und vor der eigenen westlichen Haustüre kehren. Wenn wir die massiven Tierschutzverstöße in den eigenen Breitengraden im Griff haben, dann dürfen wir uns anschicken und mit dem Finger auf die anderen zeigen. Bis zu diesem Tag sollten wir alle kleine Brötchen backen.

 

Oder wir haben alle die Courage und ziehen den Boykott wirklich durch, mit allen Konsequenzen. Online ein Kreuzchen setzen, ein „Like“ klicken und große Parolen schreien kann jeder. Also meine lieben „boykottiert China“ Schreier, fangt doch mal an. Der Boykott von chinesischem Essen dürfte noch leicht fallen. Als nächstes ist der Kleiderschrank dran, alles raus was „Made in China“ ist, Schuhe, Pullover, Jacken, einfach alles. Schritt drei, ran an die Elektronik. Trennt euch von allem was in China hergestellt wurde oder technische Bauteile aus  China enthält, egal ob Fernseher, Tablett oder Smartphone, Bauteile von Autos oder Kameras.

Schon vergessen? Ihr boykottiert China und das gehört eben dazu!

 

Ich finde es ein wenig schade, dass wir es vermutlich nie mitbekommen werden, ob jemand es wirklich durchzieht. Denn die meisten Boykott-Schreier werden sich schnell einer neuen Thematik zuwenden, die sie posten, teilen und liken können und von den anderen wird man nie etwas lesen, weil sie sich durch den Boykott aus den weiten des Internets verabschieden werden.

Aber eines sei Gewiss, begegnet mir eines Tages jemand der eine Kittelschürze Made in Germany trägt und mit seinem Pferd zur Arbeit reitet, wird dieser jemand meinen vollen Respekt haben, dafür dass er seinen Boykott Aufruf ernst genommen und gelebt hat.

Sonntag, 7. Juni 2015

Angelika Bodein - Mentaltraining für Hundesportler


Unser drittes Buch…

Ich weiß nicht so recht, was ich von dem Buch erwartet habe, aber eigentlich habe ich durchaus viel erwartet, oder zumindest etwas mehr, als ich am Ende bekommen habe.

Bessere Leistung in der Prüfung durch mentales Training, Erfolg durch positive Einstellung. Bodein präsentiert in ihrem Buch die Grundsätze des Mentaltrainings, wie man die kleine Stimme im eigenen Kopf zum Schweigen bringt, die einem ständig einflüstert, dass man ohnehin versagen wird, dass man den Erfolg nicht verdient hat. Positive Gefühle und Einstellungen einfangen, die eigene Einstellung und Sichtweise mit ein paar einfachen Übungen ändern und sich vor allem der psychischen Stolpersteine und Fanghaken im eigenen Leben bewusst werden.

Mit seinen gerade Mal 92 Seiten liest das Büchlein schnell und flüssig. Es vermittelt ein positives, hoffnungsvolles Gefühl für das nächste Training, aber irgendwie will sich keine rechte Zufriedenheit mit dem Buch einstellen. Bisweilen hat man das Gefühl, dass das Buch etwas lieblos und ohne direkten Bezug zum Thema Hund und Hundesport zusammengeschrieben wurde.

Zwar verknüpfen die netten Cartoons das geschriebene Wort immer wieder mit dem Bild von Hunden, hie und da erscheint ein Schmuckfoto mit Hund-Halter-Teams beim Sport, aber der Rest ist leider wenig Sport bezogen.
Man kennt vieles bereits aus den Programmen der Motivationscoaches und der „positiv denken, glücklich leben“ Bewegung. Vermutlich gibt es in dem Bereich auch nicht viel Neues und eventuell noch weniger Themenbezogenes für den Hundesport. Ich persönlich frage mich allerdings, ob es unbedingt ein spezielles Buch dazu geben muss.

Tante Google hat ausgespuckt, dass es die Mentaltraining Bücher mittlerweile für jede Sportart gibt. Hundesport, Reiten, Handball, Fußball…. Jeder hat seinen eigenen Ratgeber bekommen. Bleibt fraglich, ob man nicht besser zu einem der allgemeinen, aber deutlich umfangreicheren Werke greifen sollte. Sicher profitieren auch Hundesportler von einer Änderung der Einstellung und dem Hinterfragen und Erkennen von alten Überzeugungen, ob sie dafür ein extra für sie geschriebenes Buch benötigen, halte ich persönlich für zweifelhaft.

Wer sich noch nie mit dem Thema auseinandergesetzt hat, wird die ein oder andere hilfreiche Technik kennen lernen. Wer schon einmal in Kontakt mit Mentaltraining war, wird höchstens hier die korrekten Begrifflichkeiten noch erlernen.

Schade…

 

Als nächstes auf der Leseliste:
Sabine Neumann – TierHeim Schicksal oder Chance?!