Mittwoch, 3. Februar 2016

Helen Zulch & Daniel Mills – Fit for Life… Was Welpen lernen müssen

Unser neuntes Buch


Ja, der nächste Bericht aus dem Bücherregal folgt sehr schnell und das hat einen sehr einfachen Grund. War Wachtels „Hundezucht 2000“ ein ernstzunehmender wissenschaftlicher Text, den man wirklich durcharbeiten musste, verbirgt sich hinter „Fit for Life“ leider nur ein oberflächlicher Lesequickie. Auf meine Leseliste hat es das Buch geschafft, weil es in mehreren Portalen als DAS eine Welpenbuch gehyped wurde, dass jeder Hundehalter unbedingt gelesen haben sollte und auch die namhafte Hundetrainerin Jean Donaldson schlägt mit ihrem Vorwort zum Buch in diese Kerbe und überschüttet die Autoren mit Lorbeeren.


Das Buch umfasst zehn Lernlektionen auf 115 Seiten von denen jedoch viele (inhalts)leer sind. Jede Lektion beginnt mit einer Art Deckblatt, einer Seite auf der nichts außer Name und Nummer der vorgestellten Lektion steht und endet mit einem „Arbeitsblatt“, also einer Seite auf der man Notizen zum Training der Lektion. Macht nach Adam Riese schon einmal 20 leere Seiten im laufenden Text. Hinzukommen massenweise teils seitenfüllende Fotografien von spielenden Hundewelpen unter denen noch einmal Aussagen aus den Textpassagen wiederholt werden.

Generell ist das ganze Layout auf Platzverschwendung ausgelegt, was man auch deutlich an den überdimensionalen Seitenrändern erkennt. Der wirklich aussagekräftige Inhalt des Buches ließe sich vermutlich auf 30 Seiten zusammenfassen, ohne dabei eine wichtige Aussage und die Beispiele zu kürzen. Aber irgendwie muss man den Preis wohl rechtfertigen, deshalb greift man zu diesem äußerst ausladenden Design.


Die vorgestellten Lektionen beinhalten sicherlich wichtige Lerninhalte, von Umweltgewöhnung, über Vertrauensaufbau zum Hundehalter, Impulskontrolle, Ruhe lernen und Hausstandsregeln. Allerdings werden diese schon unter derart kindlichen Überschriften vorgestellt – z.B. „Ich habe gute Manieren und kann „bitte“ sagen“ – dass man als erwachsener Leser schon arg am Hadern ist, ob man auch das passende Zielpublikum für das Buch ist. Zudem bleibt die Beschreibung des Aufbaus einzelner Übungen und das Herangehen an die einzelnen Lektionen sehr oberflächlich.

Das Plädoyer für liebevolle Konsequenz und den Welpen auch bei Zeiten einfach Hund sein lassen und seinen Bedürfnissen nachkommen zu lassen, rettet das Buch leider auch nicht mehr, ebenso wenig das Nachsatzkapitel zum Erlernen der Leinenführigkeit.


Ein hübsch gestaltetes Buch mit schönen Bildern von spielenden Hundewelpen, das aber inhaltlich eher wenig zu bieten hat und sicher dem Ausnahmestatus, der ihn von einigen verliehen wird, auf keiner Seite gerecht werden kann. Für den interessierten Welpenkäufer gibt es sicherlich geeigneteren Lesestoff, wenn er lernen möchte, wie er den vierbeinigen Nachwuchs auf das Leben vorbereiten kann.


Als nächstes Buch auf der Leseliste:

Sabine Balke und Bernd Koch „Hunde würden Frischfleisch kaufen“

Dienstag, 2. Februar 2016

Natur pur - Roh ins Chaos



Vor ein paar Jahren war das Barfen noch eine Randerscheinung in der Hundefütterung, heute ist es in aller Munde bzw. in allen Näpfen. Als ich vor gut 10 Jahren mit der Rohfütterung begann, musste man im Grunde noch jedem anderen Hundehalter erklären, was das überhaupt ist. Jetzt weiß jeder worum es geht – oder glaubt es zumindest – und viele haben es auch schon probiert.

In der Theorie gefällt mir die Vorstellung, dass sich immer mehr Hundehalter für die Rohfütterung interessieren. Doch in der Realität jagen mir die Auswüchse die dieses Thema annimmt, kalte Schauer über den Rücken.

Rohfütterung ist gesund und nichts wofür man studiert haben muss, um es richtig zu machen. Aber was in der Vorstellungswelt mancher daraus mutiert, ist schon sehr abenteuerlich. Die verschiedenen Modelle der Fütterung mutieren plötzlich zum Allheilmittel gegen alles Übel in der Hundewelt. Egal ob BARF, Prey-Model (und nochmal für alle zum Mitschreiben es nennt sich PREY-Model und nicht PRAY-Model auch wenn Beten vielleicht ab und an keine schlechte Idee wäre bei dem Irrsinn, der im Futternapf tobt) oder eine sonstige Spielart der Rohfütterung, es ist die alleinige Antwort auf allen Beschwerden die den Fifi plagen. Ein Tierarzt wird überflüssig, sobald Rohfleisch im Napf liegt. Glaubt man dem geballten Wissen in diversen Online Portalen, gibt es kein Wehwehchen, das man auf diese Art nicht heilen oder verhindern könnte. Roh gefütterte Hunde bekommen keine Magendrehung, roh aufgezogen beugt HD und ED vor, da Allergien alle samt und sonders nur von Industriefutter kommen, lassen sich alle ausnahmslos ebenso mit Barf bekämpfen, selbst Krebs lässt sich mit Rohem verhindern und auch bekämpfen. Diabetes, Herzleiden, Niereninsuffizienz und Schilddrüsenprobleme treten ebenso wenig auf wie Spondylose, Arthrosen und Bänderrisse, wenn man nur richtig füttert.
Die wildesten Theorien ranken sich rund um die Rohfütterung und werden mit Vehemenz vertreten und verteidigt. Wer wagt, leise darauf hinzuweisen, dass viele der genannten Erkrankungen eine – oftmals nicht unerhebliche – genetische Komponente besitzt, wird niedergebrüllt. Man habe eine Gehirnwäsche von der Futtermittel- oder der Pharmaindustrie bekommen oder einfach zu wenig Erfahrung.
Ich habe bis jetzt vier Hunde rohernährt, zwei davon wurden roh aufgezogen. Cauda Equina, Spondylose, Magendrehung und Krebs konnte die gesunde Ernährung dennoch nicht verhindern. Naja, vielleicht habe ich da ja auch nur etwas falsch gemacht…

Falsch machen ist ein schönes Stichwort, denn glaubt man den selbsternannten Profis, kann man bei der Rohfütterung nichts falsch machen, man muss sich nur an den natürlichen Bedürfnissen des Hundes orientieren. Man braucht sich nicht vorab informieren, sondern kann alles rein nach Bauchgefühl machen. Klingt gut, nur leider ist die traurige Wahrheit, dass die meisten Leute keinen blassen Schimmer von den natürlichen Bedürfnissen ihres Hundes haben und ihr Bauchgefühl in einer rosaroten Zuckergusscomicwelt stecken geblieben ist. Was dabei rauskommt, wenn die Leute auf ihr Gefühl hören, kann man ständig in den unzähligen Hilferufen verzweifelter Barf Anfänger in diversen Foren nachlesen. Ein paar typische Beispiele gefällig? Regelmäßig trifft man zum Beispiel auf den mysteriös abmagernden Hund. Der kleine 10kg Mischling hat seit drei Wochen Rohfutter jetzt schon drei Kilo abgenommen und das obwohl er jeden Tag schon ein Kilo Putenbrust aus dem Supermarkt zu fressen bekommt und dazu Babybrei aus dem Gläschen in diversen Geschmacksrichtungen, weil man mal gehört hat, dass Abwechslung wichtig ist. Ein weiterer Kandidat, der immer wieder in Hilfsthreads aufschlägt, ist der verzweifelte Hundebesitzer, der fürchtet, dass sein Hund Rohfutter nicht verträgt. Seit zwei Monaten versucht man jetzt den Hund umzustellen und er hat einfach nur noch Durchfall. Auf die Idee, dass man vielleicht auch etwas Anderes füttern müsste, als nur den Pansen und die bindegewebsreichen Reste, die es gratis beim Metzger gibt, kommt man nicht, ist ja alles roh und damit gesund. Den dritten Platz in dieser Gruselolympiade nehmen die „Knochen müssen ja sein“ Anfänger ein. Ja, Knochen gehören zur Rohfütterung und sind, richtig gefüttert, harmlos und gesund. Doch immer wieder stürzen sich Anfänger ins Abenteuer Knochenfütterung ohne den Hauch einer Ahnung. In bester Absicht wird dem Hund dann als erste Knochenmahlzeit ein komplett fleischloser Beinknochen vorgesetzt, damit Fifi auch ordentlich was zu kauen hat. Das böse Erwachen kommt dann in den nächsten Tagen in Form von schmerzhaften Knochenkot – oder im schlimmsten Fall einem Darmverschluss – wenn Hund zu viel Knochen gefressen oder gar größere Stücke verschluckt hat.

Nein, man braucht sicher keinen Doktortitel in Ernährungswissenschaften der Caniden und man muss auch nicht jede Zutat bis aufs tausendstel Gramm nachrechnen und abmessen, aber man sollte sich im Vorfeld über die Grundbedürfnisse des Hundes informieren und zumindest einmal knapp überschlagen, wie viel man von was füttern muss, um die Bedarfswerte zu erreichen und sicher zu stellen, dass der Hund mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt ist.

Wirklich interessant wird es allerdings erst, wenn es um die Heilung kranker Hunde mittels Heilpflanzen oder sonstiger Zusatzfuttermittelchen geht. Ja, wir erinnern uns, der rohgefütterte Hund wird eigentlich nicht krank, aber es gibt doch Exemplare, die diese anerkannte Tatsache noch nicht mitbekommen haben und sich trotzdem etwas einfangen. Egal ob Erkältung, Verstauchung, Durchfall oder Arthrose, gegen alles ist ein Kraut gewachsen. Wenn man vorbeugen möchte kann man auch gleich den Multimix aus dem Barfladen füttern, wo sich auf 250 Gramm 40 verschiedene Kräuter in getrockneter, gemahlener und zu Pellets gepresster Form gegen alles helfen von Arthrose bis zu zentralnervösen Störungen. Unnötig zu erwähnen, dass diese Mikrodosierungen der Heilpflanzen nie auch nur annähernd eine therapeutische Dosis erreichen, um irgendetwas zu erreichen. Doch dann gibt es noch freiverkäufliche, natürliche Mittel mit echter Wirkung und auch diese werden bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit empfohlen. Sicherlich mag man mit etwas gutem Imkerhonig keinen Schaden anrichten, aber bei Heilpflanzen sieht es schnell anders aus. Denn nur, weil ein Mittel natürlich und 100% pflanzlich ist, ist es nicht automatisch harmlos. Woher dieser gefährliche Irrglaube stammt… keine Ahnung, aber auch hier ist das gesunde Bauchgefühl abhandengekommen und alles Natürliche wird zum Heilsbringer verklärt, immer gesund und absolut ungefährlich. Das Gift des Grünen Knollenblätterpilzes ist auch 100% pflanzlich, ich würde mich aber hüten, es als ungefährlich einzustufen. Sicher sind Ackerschachtelhalm, Mariendistel, Ulmenrinde und Co nicht giftig, allerdings sollte man sich auch hier einfach im Vorfeld über Anwendungsgebiete, Wirkungen und mögliche Nebenwirkungen informieren und nicht davon ausgehen, dass falsch angewandte Heilkräuter keine negativen Folgen haben können.  



Es bleibt zu hoffen, dass die verirrten Rohfütterer aus ihrer Fantasiewelt wieder aufwachen und in die Realität zurückfinden, denn die verklärte Sicht auf Barf und Co dürfte den Hunden mehr schaden, als das verfemte Billigindustriefutter. Durchdachte Frischfütterung wird für uns hier immer das Mittel der Wahl bei der Hundeernährung sein. Bei dem Chaos, das im Namen der natürlich gesunden Rohfütterung aber derzeit in so manchen Näpfen aus schlichter Unwissenheit angerichtet wird, packt mich jedoch das kalte Grauen.  



Sonntag, 31. Januar 2016

Hellmuth Wachtel - Hundezucht 2000

Unser achtes Buch


Mit 288  Seiten hat Hellmuth Wachtel hier sicher nicht das größte, aber doch eines der bedeutendsten Bücher über die moderne Hundezucht vorgelegt. Bereits der Einband hebt sich von den zurzeit modernen Zuchtratgebern ab, kein Bild einer Hündin mit ihren niedlichen Welpen auf dem Einband, dafür Schlagworte wie „genetisches Management“, „Populationsgenetik“ und „erbgesunde Hunderassen“. Schon von diesem Punkt an zeigt das Buch, dass es sich nicht die typische leichte Kost handelt. Wachtel präsentiert seinem Leser einen anspruchsvollen Text mit komplexen Inhalten, den man nicht schnell zwischendurch querliest und alles Interessante quasi im Vorbeigehen mitnehmen kann. „Hundezucht 2000“ zeigt sich als wissenschaftlicher Text für den interessierten Hundefreund.


Als Hauptthema zieht sich ein flammendes Plädoyer gegen die immer noch so selbstverständlich genutzte Inzucht. Dabei hat es Wachtel an keiner Stelle nötig polemisch oder verletzend zu werden, sondern verlässt sich ganz auf die Wirkung der präsentierten wissenschaftlichen Fakten.

Wachtel arbeitet die genetischen Hintergründe systematisch auf und benennt die Gefahren und Irrtümer rund um die Linienzucht im Allgemeinen und um die exzessiv betriebenen Formen im Speziellen auf.
Besonders vehement verwehrt sich Wachtel gegen die Behauptung, es gäbe ein sicheres oder gar notwendiges Niveau der Inzucht in der heutigen Rassehundezucht. Er benennt die Folgen des ständig fortschreitenden Allel Verlusts durch fortgesetzte Engzucht und verdeutlicht anhand von Beispielen, wieso eine einmalige Outcross Verpaarung nicht ausreichend sein kann, um den genetischen Schaden wieder zu beheben. Hart ins Gericht geht der Autor auch mit den in allen Rassen verbreiteten Populare Sires.  
Äußerst erschreckend empfindet der Autor, dass selbst Zuchtanfängern immer noch zur Linienzucht als Mittel der Wahl zu greifen, um zu Beginn möglichst wenig Fehler zu begehen. Wachtel gibt zu bedenken, dass jede Linienzucht eine weitere Einschränkung des Genpools zur Folge hat und der Erhalt genetischer Vielfalt innerhalb der Rasse, die Voraussetzung für Gesundheit und Anpassungsfähigkeit ist. Für ihn ist die Rettung des Rassehundes nur in einer Abkehr von den aktuellen Zuchttrends mit ihren Populare Sires und dem hauptsächlichen Augenmerk auf Showerfolge und Mode zurück zu alten Wegen für mehr Gesundheit und Leistung in Kombination mit neuen Methoden machbar. Wachtel bemängelt, dass in der modernen Hundezucht die falschen Merkmale als Selektionskriterien herangezogen werden. So wird die Perfektion der Optik oftmals über die bessere Gesundheit und Leistung gestellt. Wie früher kommen auch heute nur wenige Hunde in die Zucht, doch während es früher in erster Linie jene waren, die stark und gesund genug waren, die ersten Lebensjahre zu überstehen, sind es heute in der Regel jene, die dem Menschen am besten gefallen.
Wachtel plädiert für eine stärkere Gewichtung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit in Kombination mit der Aufhebung des Kreuzungsverbotes verschiedener Rassevarianten derselben Rasse, sowie die Abschaffung der Farbreinzucht bestimmter Rassen. Auch soll der Erhalt der genetischen Vielfalt bei der Auswahl der Zuchttiere von Bedeutung sein. Als perfekte Ergänzung zu den alten Werten sieht Wachtel die Möglichkeiten der modernen Wissenschaft. Mit der Einlagerung und dem – bei Bedarf – späteren Einsatz von Gefriersperma bietet sich eine Chance den Verlust von Erbmaterial zu begrenzen. Natürlich gesetzt dem Fall, dass dieses Angebot nicht nur für die ohnehin stark im Zuchtwesen gefragten Champions genutzt werden. Eine weitere sinnvolle Ergänzung bietet die Genetik, die nicht nur zur Entwicklung von Tests für Erbkrankheiten hilfreich ist, sondern auch genutzt werden kann, um in kleinen Populationen genetisch möglichst unterschiedlichen Zuchtpartner zu ermitteln.

Bei Rassen mit zu geringer genetischer Basis, die bereits zu tief im Flaschenhalseffekt stecken, sieht Wachtel die einzige Möglichkeit zur Rettung und zum Erhalt der Rasse in der Einkreuzung vom Fremdrassen. Allerdings erteilt Wachtel mit seinen Ausführungen den zurzeit so angesagten Designerrassen die rote Karte. Er warnt im Vorfeld, dass das Kreuzungsergebnis nicht wirklich berechenbar ist und durch die Kombinationen von unterschiedlichen Gencodes der einzelnen Hunde unerwartete Ergebnisse zu Tage treten können. Im besten Fall kann es sich hier nur um unerwartete Verhaltensweisen und optische Entwicklungen handeln, in extremen Fällen – die bei Hunden selten aber dennoch vorkommen – können schwere Folgen bis hin zu körperlicher Deformation führen. Die Einkreuzungsprojekte sind für Wachtel nur unter strenger Planung sinnvoll, planlose Mischzucht trägt nichts zur Rassegesundheit bei.
Der Autor empfiehlt die Einkreuzung einer nahe verwandten Rasse – von der Verpaarung von extrem unterschiedlichen Hundetypen wird explizit abgeraten – und die anschließende Selektion in den anschließenden Rückkreuzungen über die folgenden drei bis vier Generationen. An dieser Stelle plädiert er dann auch dafür, die Tiere aus diesen Nachzuchten nach einer Überprüfung im Falle, dass sie dem Standard entsprechen als reinrassig ins Zuchtbuch aufzunehmen. Eine ganz klare Absage erhält die derzeit in den USA immer häufiger anzutreffende Überlegung dem Hund wieder mehr Wolfsblut einzukreuzen, um die Gesundheit zu stabilisieren.

Als Abschluss fasst Wachtel seine Erkenntnisse nochmals kurz zusammen und fordert neben den Grundsätzen des Tierschutzes auch eine Art „Gen-Ethik“ in der Zucht zu etablieren. Zusammengefasst wirkt das vorgestellte Konzept für die Zucht von gesunden und langlebigen Hunden erschreckend simpel:
Vermeidung von Engzucht
Selektion auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit
Erhalt der genetischen Vielfalt
Keine Verschwendung von Erbgut
Vermeidung der Populare Sire Zucht

So einfach sich diese Auflistung liest, so selten wird sie in der Realität umgesetzt. Bleibt zu hoffen, dass Hellmuth Wachtels „Hundezucht 2000“ unter den Züchtern populärer wird.



Als nächstes Buch auf der Leseliste:

Helen Zulch & Daniel Mills „Fit for Life“

Sonntag, 10. Januar 2016

Who's your Daddy?



Johann Wolfgang von Goethe soll gesagt haben: „Sage mir mit wem du gehst und ich sage dir, wer du bist.“ Ein Grundgedanke, der sich offensichtlich auch im Hundetraining aller Orts wiederfindet. Denn nie zuvor war es offensichtlich so wichtig mit wem oder nach wem man arbeitet.

Die „namhaften“ Trainer schießen aus dem Boden, wie die Schneeglöckchen im Frühling. Aller Orts werden Seminare gegeben von Menschen mit „großem“ Namen. Von so ziemlich allen hat man noch nie etwas gehört und auch nach einer halben Stunde mit Tante Google weiß man bei gut der Hälfte meistens immer noch nicht, wofür man sie kennen sollte. Aber es ist wichtig einen Namen zu haben. Einen Namen den man verkaufen kann für die eine Seite und einen Namen auf den man sich berufen kann für die andere Seite des Trainingsteams.

Einfach trainieren und herausfinden, was für den Hund passt in heute vielerorts einfach nicht mehr zeitgemäß. Man apportiert nach Heuwinkel, fährtet nach Dreyer und Schutzdienst wird nach Balabanov aufgebaut.

Wer sich den neuen Methoden verschließt und die Namen der Meister nicht kennt, wird gerne belächelt und als altertümlich abgestempelt. Dabei interessiert es oft nicht, dass der Huber Schorsch – der unbekannte Ausbildungswart des anderen Hundeführers – im Grunde seit Jahren mit derselben Methodik arbeitet und auch schon auf der LGA oder Bundesebene erfolgreich war. Nur hat er damals vergessen sofort im Anschuss die ersten Seminare zu geben und sicher zu stellen, dass sein Name Gewicht hat.

Interessanterweise ist es oftmals sogar egal, ob die Methode zum Hund-Hundeführer-Team passt und ob man Erfolg hat mit der Ausbildung. Der große Name der hinter dem Weg steht, ist wichtiger als Passung und Fortschritt. Natürlich ist nicht jeder so hörig, dass er blind dem Meister folgt, auch wenn jeder Außenstehende klar erkennen kann, dass es kein erfolgreiches Ende geben kann. Doch es scheinen immer mehr zu werden, die sich in Verzweiflung an den großen Namen klammern und hoffen, dass etwas von dem Glanz auf sie abfärbt, auch wenn sie nie einen eigenen Namen in der Hundewelt haben werden.

Denn eine eigene Identität muss man sich erst verdienen. Außerhalb des eigenen Trainingsplatzes habe ich keinen Namen, ich bin die mit dem Dobermann, die mit dem Eder trainiert. Das gleiche Phänomen tritt auch bei Hunden auf. So ist das Quietscheentchen nicht mehr Cardassia, sie ist „eine Ben Tochter“ und trainiert zusammen mit einer „Ballack Brucknerallee Tochter“.

Ein Zustand der sicher seine Vorteile hat. Einem Niemand werden Misserfolge und Schnitzer eher nachgesehen, während bei einem Scherkl immer irgendwo die verstecke Kamera draufhält, um das Video mit dem Missgeschick Jahre später zum vermeintlich passenden Zeitpunkt wieder hervorzukramen, wenn es dem eigenen Bestreben gerade dienlich scheint. Doch viele verkraften es nur schwer, ein niemand zu sein und so suchen sie sich Wege und Auswege. Den Pfad über den eigenen Erfolg gehen dabei dann aber die Wenigsten. Sicher kann nicht jeder Weltmeister werden, weder bei den Hunden noch unter den Hundeführern sind alle dafür gemacht. Viele klammern sich an einen großen Namen und wieder andere versuchen jemand zu werden in dem sie mit möglichst viel Dreck nach den großen Namen werfen.

Alles in der Hoffnung Anerkennung zu finden und jemanden, der sich an den eigenen Namen irgendwann erinnern wird.

Doch die Frage sollte eigentlich sein, ob sich die eigene Identität nicht von innen heraus definiert. Nicht mit wem wir trainieren oder was die anderen von uns und unserer Leistung halten, bestimmt wer wir als Hundesportler sind. Auch als vermeintlicher Niemand sollte man genug Selbstbewusstsein haben und auch den Anstand selbst hinter seinen Entscheidungen zu stehen. Auch wenn der große Meister einen lehrt, so sollte man nie seine eigene Verantwortung vergessen. Denn am Ende ist es gut und klug von anderen zu lernen, aber für das was man tut und auch was man lässt, muss man letztendlich doch selbst geradestehen und mit den Ergebnissen leben.




Samstag, 26. Dezember 2015

Der Feind trägt Weiß



Es ist psychologisch erwiesen, dass nur wenig das Zusammengehörigkeitsgefühl einer Gruppe derart stärkt, wie ein gemeinsames Feindbild. In der Hundehalterwelt gibt es viele „Feinde“ die nur darauf lauern, einem selbst und dem geliebten Vierbeiner das Leben schwer zu machen. Liest man sich aktuell die Beiträge vieler Hundebesitzer in diversen Foren durch, erkennt man, dass sich gerade ein neues Feindbild herauszukristallisieren beginnt und der neue Feind trägt Weiß

Immer öfter beschleicht den geneigten Leser der Eindruck, dass Tierärzte für immer mehr Hundehalter die Inkarnation des Bösen verkörpern. Sie sind dumm, unflexibel, geldgeil und trachten den lieben Vierbeinern doch nur nach dem Leben, um an ihren Leiden zu verdienen.
Vorab, auch ich bin bereits auf Tierärzte getroffenen, bei denen man sich bisweilen fragte auf welchem Schwarzmarkt sie ihren Doktortitel gekauft haben, allerdings gibt es in jeder Profession nun mal Pfuscher, die ihren Beruf nicht beherrschen.

Doch darf man den Aussahen mancher Hundebesitzer Glauben schenken, sind dies nicht die unrühmlichen Ausnahmen, nein, die Majorität der Tierärzte sind schwarze Schafe. So eröffnet jeder Tierarzt direkt nach dem Studium eine eigene Praxis, angegliedert an das neugebaute Wohnhaus in Kingsize Größe – bezahlt von dem Geld, dass er den armen Patientenbesitzern aus der Tasche gezogen hat – und in der Auffahrt steht selbstverständlich mindestens eine S-Klasse, die allerdings nur der Praxisputze gehört, denn mit einem solch armseligen Gefährt würde sich ein Tierarzt nie zufriedengeben.

Wehe dem unbedarften Hundebesitzer, der sich in eine Praxis verirrt. Viele erfahrene Hundebesitzer warnen online bereits eindringlich davor, dem Feind in Weiß auch nur ein einziges Wort zu glauben und wer nicht die einzelnen Posten der GOT auswendig herunterbeten kann, sollte sich hüten irgendetwas zu bezahlen, was er nicht von einem Anwalt hat prüfen lassen. Und liest man sich durch die diversen Beiträge, scheinen Tierärzte auch komplett überflüssig zu werden. Jeder zweite Hundetrainer hat plötzlich – ebenso wie viele Tierschützer – plötzlich die magische Gabe, Gelenkerkrankungen durch bloßes Hinsehen zu erkennen, Röntgen oder gar CT überflüssig und für eine Herzuntersuchung gibt es bei Amazon ein Stethoskop zu kaufen, hören kann ja jeder. Für jede Krankheit vom Analdrüsenkrebs bis zur Zyste gibt es die Online Ferndiagnose der dutzenden allwissenden Hundeprofis in Foren und auf Facebook und sind diese sich einmal uneinig oder gar unsicher, findet sich immer ein ganz Gewiefter, der Dr. Dr. Google und Chefarzt Wikipedia zu Rate ziehen und bei Bedarf ganze Absätze aus ihren virtuellen Fundstücken zitieren, ohne auch nur einen Halbsatz daraus verstanden zu haben.

Generell wundert man sich beim Lesen vieler Vorstellungen vom idealen Tierarzt doch, wieso anscheinend kaum ein Tiermediziner diesen paar Wünschen entsprechen kann. Was will der gemeine Hundehalter denn schon großartig? Eine Praxis, die so zentral gelegen ist, dass man sie jederzeit auch ohne eigenes Auto erreichen kann und natürlich muss an 365 Tagen 24 Stunden lang jemand dort auf einen warten. Natürlich sollte ein Besuch mit dem kranken Hund auch Samstagabend ohne Termin möglich sein und wenn man mal wochentags kurz vor Mittag in die Praxis stürmt, kann es nicht sein, dass man länger im Wartezimmer sitzen muss, als es dauert, dass die Praxisgehilfin die Akte des Hundes im Computer heraussucht. Regelmäßige Fortbildungen sollten selbstverständlich sein, schließlich muss sich der Dorftierarzt auf allen Gebieten auskennen, von der Augenuntersuchung des Zwerggekkos über die Herzdiagnostik beim Cavalier King Charles Spaniel bis hin zur künstlichen Befruchtung beim Koi sollten Wissen und Fertigkeiten schon reichen. Spezialisten sind – wie bereits erwähnt – geldgeile Halsabschneider, die niemand wirklich braucht, ein guter Tierarzt kann das alles und noch mehr, unser Zahnarzt kann schließlich auch unsere Sehstärke messen und Hautkrebs diagnostizieren. Auf keinen Fall sollten Tierärzte Futter verkaufen oder gar Medikamente verschreiben, denn all das dient nur der Gewinnmaximierung. Von Fütterung haben sie sowie so und nie Ahnung, da sie alle von der Industrie geschmiert werden, natürlich außer dem einen Tierarzt, der zufällig genau die Futtersorte vertreibt, die man selbst gut findet.

Ja es ist nicht leicht, einen guten Tierarzt zu finden, also seit gewarnt, liebe Hundehalter! Solltet ihr feiertags um 4 Uhr morgens in die Praxis kommen und nach einer eingehenden Untersuchung, einem großen Blutbild, einem Ultraschall und drei digitalen Röntgenaufnahmen mehr auf der Rechnung stehen, als 50€, dann ist irgendetwas falsch gelaufen.  Wer sich also unsicher ist, ob sein Tierarzt ein heimtückischer Abzocker ist, der eventuell gerade die fünfte Fehldiagnose in Folge gestellt hat, der soll um Himmelswillen nicht das vertrauliche Gespräch mit dem Veterinär seines (bisherigen)Vertrauens suchen, sondern soll sich dringend auf Facebook oder ins nächste Hundeforum begeben. Dort wird sich immer mehr als ein User finden, der zu allen Risiken und Nebenwirkungen schnell den richtigen Google Link oder den passenden Wikipedia Artikel findet und einen mit dem eigenen Pseudowissen endgültig komplett verunsichert.

Und nur um sicher zu gehen hier noch der Warnhinweis:

Achtung dieser Text könnte Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten! Mögliche Nebenwirkungen: Verwirrt sein, persönlicher Groll und gekränktes Ego.


Samstag, 5. Dezember 2015

Das große Schweigen


Die Schweigepflicht gehört untrennbar zu bestimmten Berufsgruppen und auch im Zwischenmenschlichen wird das Schweigen noch immer zu den Tugenden gezählt. Höflich, diskret und in der Hundewelt so unendlich töricht.


Schon Sierra Milton schrieb 2004 einen Artikel mit dem (eingedeutschten) Titel „Omerta oder das Schweigen der Züchter“ in dem sie das Verschweigen von Erbkrankheiten unter den Rassehundezüchtern anprangerte. Viel geändert hat sich in den 11 Jahren die seit Erscheinen ihres Artikels vergangen sind anscheinend nicht. Zwar gibt es immer mehr Züchter, die sich Aufklärung und Offenheit auf die Fahnen geschrieben haben – auch wenn ihnen diese Ehrlichkeit selbst zum Nachteil gereicht – aber noch immer hüllen sich viele in Schweigen.


Doch nicht nur in den Reihen der Züchter hüllen sich viele in Schweigen, auch unter den normalen Hundehaltern gilt für viele die Weitergabe von Informationen und Daten schon fast als Sakrileg. Kann man es beim Züchter noch irgendwo nachvollziehen, auch wenn man es nie gutheißen kann, dass Geschwiegen wird um eigene Fehler nicht eingestehen zu müssen oder finanzielle Einbußen zu verhindern, wundert einen das verbissene Schweigen beim Privathundehalter umso mehr. Die eigenen Erfahrungen und das eigene Wissen werden gebunkert und als Verschlusssache behandelt, niemand soll erfahren, wie es im inneren aussieht.
Ein paar verschwommene Andeutungen sind das höchste der Gefühle, was weitergegeben wird. Sehr schönes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: Bei der Diskussion rund um eine rückläufige Erbkrankheit der Rasse Dobermann, berichtete eine Dame, man müsse die Krankheit ernster nehmen, ein mit ihr befreundeter Züchter hätte die Zucht eingestellt, da er mehrere Hunde auf Grund dieser Krankheit hätte einschläfern müssen und auch die Nachzucht betroffen war. Auf die Antwort nach dem Namen der betroffenen Zuchtstätte und der verstorbenen Hunde, warte ich bis heute vergebens. Nachfragen werden strikt ignoriert und somit wird einem jegliche Möglichkeit genommen, sich weiter zu informieren.


Gleiches gilt für die Sterbedaten von Hunden. Gerade in einer Zeit in der die DCM Thematik für viele Dobermannbesitzer zum Alltag gehört und sie oftmals die zentrale Frage beim Kauf des nächsten Hundes darstellt, gibt es kein größeres Problem, als das beharrliche Schweigen vieler Menschen. Die Schere der Reaktionen klappt an dieser Stelle erschreckend weit auseinander. Während manche die Krankheit ihrer Hunde öffentlich regelrecht zelebrieren, schweigen sich andere komplett darüber aus. Die Daten von erkrankten Hunden verschwinden, ebenso wie der betroffene Hund früher oder später und die Besitzer schweigen.


Mag sein, dass der ein oder andere Repressalien von Seiten des Züchters befürchtet, doch wieso sich der Rest in Schweigen hüllt, wird wohl immer ihr Geheimnis bleiben. Vielleicht haben sie Angst, dass schlechte Gesundheit oder Leistungsschwäche auch ein schlechtes Licht auf sie als Halter werfen könnte, wer weiß.
Manche nutzen ihr Wissen auch als kindische Machtdemonstration, um den weniger Wissenden eine Nase zu drehen, sie mit dem geheimen (vermeintlichen) Wissen locken und es ihnen dann nur vorzuenthalten, um die eigene Position zu stärken.


Wie man es dreht und wendet, einen vernünftigen, erwachsenen Grund für das Schweigen gibt es nicht. Das Leben wäre so viel einfacher, wenn sich endlich alle an diesem Punkt dazu durchringen könnten ehrlich mit den Themen umzugehen. Wissen ist sicherlich auch in diesem Fall Macht, eine Macht die man nicht missbrauchen sollte und die man nur nutzen kann, wenn sie mit möglichst vielen Personen geteilt wird.


Es bleibt zu hoffen, dass sich das Schweigen nicht wieder weiter ausbreitet und objektive Informationsweitergabe zwischen Hundehaltern nicht per se als Tratsch oder gar üble Nachrede abgewertet wird.  Sollte sich diese Haltung nicht ändern, gibt es wohl für die Zukunft vieler Rassen und ihrer Halter nur ein mögliches Ende und an dieser Stelle sei es gestattet Brecht zu zitieren, der dafür die wohl passendsten Worte gefunden hat:


Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen
Den Vorhang zu und alle Fragen offen.

Sonntag, 22. November 2015

Thomas Baumann - Mehrhundehaltung... gemeinsam zu mehr Harmonie


Unser siebtes Buch.

Baumann gehört in der Hundeszene immer noch zu meinen Lieblingsautoren. Der ehemalige Diensthundeführer zeigt in seinen Büchern immer einen starken Hang zum Realismus, keine selbsterdachten Philosophien mit pseudoesoterischen Anleihen, kein moralinsaurer Unterton und auch keine übertrieben emotionale Sichtweise. Sondern einfach nur eine objektive Herangehensweise an die Probleme unter Berücksichtigung der klassischen Lerntheorie.

In diesem Buch widmet sich Baumann den Vorteilen und auch den Problematiken der Mehrhundehaltung. Einem Thema, das auch nach Ansicht des Autors immer mehr zu einem Modethema wird, da der Trend immer stärker zum Mehrhundehaushalt geht.
Baumann beginnt ausführlich mit den möglichen Integrationsmodellen. Welche Möglichkeiten gibt es um Einzeltiere in bestehende Gruppen zu integrieren, wie führt man Gruppen zusammen. Baumann nimmt sich Zeit, genau aufzuschlüsseln wieso welche Tiere in welcher Reihenfolge zusammengeführt werden und wieso die Auswahl der Reihenfolge in einigen Fällen entscheidend für den Erfolg der Vergesellschaftung sein kann.

Im weiteren Verlauf beschäftig sich Baumann mit der Aufwand Analyse für den Mehrhundehaushalt. Was muss Hund mitbringen für ein erfolgreiches Gruppenleben, welche „Kosten“ hat das Leben im Mehrhundehaushalt für den einzelnen Vierbeiner und vor allem, was bedeutet dies im Zusammenleben für den betreuenden Menschen. Was muss Mensch an Organisation und Kontrolle leisten können, um ein Gelingen der Mehrhundehaltung sichern zu können? Dem stellt Baumann im Folgekapitel die Nutzen des Lebens in der Gruppe für die einzelnen Individuen gegenüber.
All dies begleitet Baumann durch sämtliche Kapitel mit ausführlichem Bildmaterial und Beispielen aus seiner Berufspraxis.

Besonders warnt Baumann erneut vor den Auswirkungen von überholten Alphatheorien aber auch vom Festhalten an allgegenwärtigen Patentlösungen. Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Beziehungen zwischen den Individuen immer so speziell betrachtet werden müssen, wie die Individuen selbst. In Kombination mit den Wechselwirkungen der Gruppendynamik verbieten sich pauschale Lösungsansätze im Grunde von selbst.
Auch mahnt Baumann an, sich nicht von der Vorstellung vom Rudeltier Hund und dem neuen Trend zur Mehrhundehaltung dazu hinreißen zu lassen, dass ausnahmslos jeder Hund mit einem oder mehreren Artgenossen in seinem Haushalt glücklicher ist.

Auch dem alltäglichen Spaziergang widmet Baumann ein eigenes Kapitel. Er gibt Tipps zu Struktur und alltagstauglicher Erziehung und regt Beschäftigungsmöglichkeiten für die ganze Gruppe oder auch einzelne Mitglieder an. Baumannkenner wird es nicht verwundern, dass in diesem Kapitel – wie in fast jedem seiner Bücher – sein ZOS-Training vorgestellt wird.

Den Abschluss bildet ein mehr als ausführliches Kapitel mit Beispielen aus Baumanns Berufsalltag. Insgesamt werden zehn Problemstellungen mit verschiedenen Gruppenstärken, beteiligten Rassen und Ausgangslagen genauer vorgestellt und besprochen.

Im Großen und Ganzen klingt die Zusammenfassung sehr positiv und man muss Baumann auch zugestehen, dass er erneut ein wichtiges und aktuelles Thema mit qualitativ hochwertigem Wissen seinen Lesern präsentiert hat. Die große Schwachstelle des Buches präsentiert sich jedoch sehr deutlich am letzten Kapitel. Baumann tendiert in diesem Buch sehr stark dazu die Theorie mit vielen Beispielen zu umkleiden. Das letzte Kapitel, das einzig aus Beispielanalysen besteht aus 85 Seiten, in einem 287 Seiten Buch. Zieht man das diesmal sehr großzügig verwendete Bildmaterial, das Beispielkapitel und die im laufenden Text ständig verwendeten Beispiele ab bzw. würde sie auf ein notwendiges Minimum reduzieren, könnte man „Mehrhundehaltung“ mit Leichtigkeit auf die Hälfte des vorliegenden Buchblocks reduzieren, ohne etwas vom relevanten Inhalt zu verlieren. Bei einem Neukaufpreis von 39€ beschleicht einen phasenweise leider das Gefühl, als hätte man versucht möglichst viele Seiten zu füllen, um den Preis zu rechtfertigen. Die präsentierten Inhalte sind richtig und wichtig, aber die Frage muss erlaubt sein, ob sie nicht besser als mehrere Kapitel im Rahmen eines größeren Buches, oder als kleinere gestraffte Ausgabe präsentiert worden wären. Man sollte Baumanns Aussagen, Ideen und Problemlösungsansätze zum Thema Mehrhundehaltung gelesen haben, aber ich kann dennoch jeden Leser verstehen, der durch den Preis etwas verstimmt ist.


Als nächstes Buch auf der Leseliste:
Hellmuth Wachtel – Hundezucht 2000