Samstag, 12. September 2020

Von Rechten und Schuld

 


Manchmal ist die englische Sprache herrlich elegant im Umschreiben von Dingen. So gibt es zum Beispiel den Begriff des „Entitlement“. Zum einen übersetzt sich der Begriff schlicht mit „Anspruch“, darüber hinaus jedoch bezeichnet er auch das unberechtigte Gefühl eines Menschen, Anspruch auf etwas zu haben.

Und gerade unter Hundehaltern scheint Entitlement weit verbreitet zu sein.

Wer ist ihnen noch nie begegnet auf einer Gassirunde, den Hundehaltern mit den unerzogenen, unverträglichen Hunden, die trotzdem stets ohne Leine und Kontrolle durch die Lande laufen? Wieso sie das tun? Na sie haben immerhin das Recht, ihren Hund freilaufen zu lassen. Man ist ja selbst schuld, wenn man mint, gerade da rumlaufen zu müssen, wo sie mit ihrem Hund gehen wollen. Da ist es auch vollkommen egal, ob man selbst einen Hund dabei hat oder ein Jogger oder Radfahrer ist, dem der Hund mit Recht auf Freilauf dann am Bein hängt. Man hat einfach Rücksicht darauf zu nehmen. Wie der Hundehalter seinen Anspruch begründet? Gar nicht, ist halt einfach so. Seine Meinung ist sein Himmelreich und alle haben sich danach zu richten.

Argumente helfen da nichts, gegen Entitlement kommt man in solchen Situationen meist nur mit Polizei und Ordnungsamt an und auch dann ist der Lernprozess langwierig und leider oftmals nicht nennenswert nachhaltig. Schuld ist in der Regel das Gegenüber, besonders wenn es dann zum finalen Eklat kommt und der Hund am Ende als gefährlich eingestuft und eingezogen wird.

 

Noch lernresistenter ist die online Form dieser Hundehalter. Sie können zwar meist keinen solchen Schaden anrichten, wie ein Hund im unkontrollierten Freilauf, ihnen ist aber auch wesentlich schwerer Beizukommen, da gegen Taktlosigkeit und Aufdringlichkeit im Internet kein Leinzwang und keine Maulkorbpflicht helfen kann. Online geht es beim Thema „ich habe ein Recht darauf…“ so gut wie immer um Wissen. Die einen wollen es haben, die anderen wollen es weitergeben, auch wenn das Gegenüber nicht danach gefragt hat.

Mit denen, die meinen immer ein Recht auf Auskunft zu haben, hat man als normaler Hundehalter weniger oft zu tun. Ihr bevorzugtes Opfer sind Züchter, Deckrüdenbesitzer, Tierschutzvereine und manchmal auch Sportler. Sie wollen es ganz genau wissen. An wen wurde der Rüde Rüdiger vermittelt? In welchem Bundesland lebt er jetzt, wie war er bis dahin untergebracht? Wieso hat man sich für diesen neuen Eigentümer entschieden? Wieso ist man der Meinung, dass das ein besserer Halter ist, als derjenige, der vor einer Woche in der Facebookgruppe geschrieben hat, dass er ihn nicht bekommen hat?

Ist man dann irritiert mit welcher Berechtigung die Person das wissen will – ist sie ein anderer Interessent? Ist sie ein Bekannter, des früheren Halters? Hat sie vielleicht eine größere Summe zweckgebunden für genau diesen Hund gespendet? – kommt meist schnell die Ernüchterung. Nö, nichts von alle dem. Man hat nur aus einer Laune heraus beschlossen, sich selbst als Kontrollinstanz einzusetzen, um sicher zu gehen, dass es diesem Hund gut geht.

Besonders ausgeprägt und gehäuft tritt dieses Phänomen auf, wenn ein Verein oder ein Züchter gerade öffentlich in die Kritik geraten ist. Aktuell sehr schön zu sehen am Beispiel der Hellhound Foundation. Aus dem Nichts tauchen Menschen auf, die plötzlich mehr als penetrant verlangen, dass man ihnen Rede und Antwort steht. Sie hatten noch nie etwas mit den betreffenden Hunden oder ihren Haltern zu tun, sie haben noch nie auch nur einen Cent für die Organisation gespendet, wollen auch jetzt nicht helfen und können selbst keine Informationen geben, die hilfreich sein könnten, aber sie haben ihrer Ansicht nach ein Recht darauf, dass man alle ihre Fragen beantwortet und ihre Sensationsgier befriedigt.

Ähnliches kennen fast nur noch Züchter und Deckrüdenbesitzer. Denn in den Augen der Hundewelt sind auch sie oft jedem eine Antwort schuldig. Wer nichts zu verbergen hat, kann ja im Internet ohne Bedenken die Hosen runterlassen. Also raus mit der Sprache, woran ist die ehemalige Zuchthündin denn nun vor drei Stunden verstorben? Warum wurde der Sohn vom großen Zuchtstar jetzt doch nicht zur Zuchtzulassung vorgestellt?

Nein, mit Fragen nach der Todesursache muss man nicht warten, bis der verstorbene Hund wenigstens kalt ist, die kann man sofort stellen. Absolut nicht pietätlos, denn die Welt hat ein Recht darauf zu erfahren, was passiert ist. Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, gibt es keinen Grund sich schlecht zu fühlen, also kann man sofort darüber sprechen. Selbstverständlich hat der Fragende keinen Hund aus dieser Blutlinie oder hatte je vor bei dem Züchter zu kaufen oder auch nur die Rasse zu besitzen. Man ist nur da, um die Wahrheit ans Licht zu bringen und hat somit alles Recht dieser Welt auf Antworten und zwar sofort.

Nicht weniger übergriffig sind jene Leute, die meinen alle Welt mit ihrem Wissen beglücken zu müssen. Sie sind hier um Aufklärung zu betreiben und das notfalls mit Gewalt. Du postest ein Foto von deinem Hund, der am Seeufer spielt? Erkennst du denn nicht die Gefahr, hast du noch nie etwas von Wasservergiftung gehört? Oh wie niedlich, ihr habt euch einen Rassehundewelpen gekauft, aber habt ihr den auch wirklich von einem seriösen Züchter und wisst ihr, was diese Rasse alles braucht? Egal, nur weil ihr schon fünf Hunde der Rasse hattet, werdet ihr dem Rat des Besserwissers, der die Rasse nur von Fotos kennt, nicht entkommen. Denn er hat schließlich ein Recht darauf, sein Wissen weiterzugeben.

Manchmal hat man den Eindruck, diese Leute würden das Netz nach Schlagworten durchsuchen und dann im Copy and Paste Verfahren eine vorgefertigte Erklärung einfügen. Vollkommen egal, ob sie zum aktuellen Beitrag passt oder auch nur annähernd etwas damit zu tun hat.

Ein Foto von einem Merle Aussie? Belehrung über die Gefahr der Farbgenetik einfügen.

Das Wort „Fütterung“ fällt irgendwo? Abhandlung über die Unzulänglichkeiten von industriellen Futter kopieren und senden.

Ein Rassename ist gefallen? Oberflächliche Rassebelehrung auf Stammtischniveau mit vielen Vorurteilen einfügen.

Die Liste ließe sich noch endlos fortführen, denn es gibt diese „ich habe ein Recht, euch aufzuklären“ Menschen gibt es quasi zu jedem Thema. Irgendeiner von ihnen hat den Inhalt der aktuellen Diskussion immer zu seinem eigenen Spleen erhoben und glaubt das Monopol auf die richtige Herangehensweise zu haben.

Leider ist gegen solche Leute kein Kraut gewachsen. Ignoriert man sie, schreien sie nur umso lauter, weist man sie auf Fehler in ihrer Meinung hin, ebenso. Lehnt man ihre Hinweise ab, bestärkt sie das nur noch mehr in der Meinung, noch penetranter aufklären zu müssen, denn man sieht ja, wie viele Leute die Augen vor dem Problem verschließen.

 

Das ist leider die Sache beim Entitlement. Mit gesundem Menschenverstand und sachlicher Argumentation kommt man diesen Leuten nicht bei. Mit Emotion und Aggression aber auch nicht. Oftmals bleibt einem Hundehalter daher gerade in den online Diskussionen nichts Anderes übrig, als sich in Impulskontrolle zu üben und sich zu fragen, woher die Leute ihre Überzeugung nehmen. Oder man kann das Ganze als psychologische Feldstudie ansehen und den Dunning Kruger Effekt in der natürlichen Umgebung beim Wirken zu sehen. Vielleicht kann man dem Ganzen unter dem Gesichtspunkt dann wenigstens noch ein bisschen Positives abgewinnen.


 

Freitag, 24. Juli 2020

Doch, das ist noch Barf!



Barfen ist so angesagt wie nie. Für viele Hundehalter ist es zwar immer noch eine Modeerscheinung, doch es schwören in der Zwischenzeit genügend Hundehalter darauf, dass der Markt für Barfartikel und Zubehör immer weiterwächst und die seltsamsten Blüten treibt.
Ich persönlich bin sogar schon dazu übergegangen, das, was ich da betreibe im Futternapf meiner Hunde als „Rohfütterung“ zu bezeichnen, einfach um es von den modernen Auswüchsen der Barf Industrie abzugrenzen.

Sollte jemand mit der ursprünglichen Idee des Barfens nicht vertraut sein: In der Kurzfassung geht es darum für seinen Hund eine individuelle Futtermischung aus rohem Fleisch, rohen Innereien, Knochen, Knorpel, Obst Gemüse und wahlweise Getreideprodukten angepasst auf seine Bedürfnisse zusammenzustellen. Das war der Grundgedanke. Zu welchen Anteilen man die einzelnen Komponenten in der Futtermischung nutzt, variierte da von Lehrmeister zu Lehrmeister, doch das war das angedachte Grundprinzip. Rohe tierische und pflanzliche Bestandteile und Getreide so weit verarbeitet, dass der Hund es verdauen konnte, abgestimmt auf den eigenen Hund.
Biologisch artgerechtes rohes Futter eben, natürlich, so wenig verarbeitet wie möglich, kein Massenprodukt.

So war es ursprünglich gedacht. Doch es ist wie immer, wenn etwas beginnt in Mode zu kommen.  Das Thema zieht immer mehr Leute an, die den Trend gerne mitmachen wollen, die aber nicht die entsprechende Vorarbeit leisten und sich über die Bedürfnisse und Bedarfswerte informieren. An diesem Punkt tritt dann die Industrie auf den Plan. Zu Beginn gab es Zusatzstoffe und Pülverchen für die selbstgestalteten Rationen und als Ersatz für Bestandteile, die man nicht füttern konnte oder wollte.
Als erstes trat dann das Fertig Barf auf den Plan. Im Grunde genommen handelte es sich dabei um die Rohvariante des Fertigfutters. Abgepackte Portionen aus rohem Fleisch und Innereien, je nach Vertriebsmodell sind auch bereits Obst und Gemüse, sowie Knochenmehl, Öl und manchmal auch Nudeln mit untergemischt. Manchmal gibt es die Nicht-Fleisch-Anteile auch als gesonderte Packungen zu kaufen, die man dann nach Belieben – oder Anleitung des Verkäufers – untermischen kann. Die individuelle Note, das exakt auf den eigenen Hund abstimmen können, geht bei dieser Variante zwar verloren, aber es ist dem Grundgedanken noch sehr nahe. Rohe Bestandteile, schon mehr verarbeitet, als in der Ausgangsform der Fütterungsart, aber eben immer noch roh.
Doch wie immer beim Fertigfutter reicht auch beim Fertig Barf die Spanne von qualitativ gutem Futter bis zu Abfall in Verpackung, der weder bedarfsdeckend noch annähernd gesund ist.

Aber es gibt noch andere Auswüchse. Seit Neustem findet man auch Trocken Barf, Nass Barf und Dosen Barf in diversen Shops. Beim Trocken Barf variiert es dabei von getrockneten Fleischstücken und Gemüseflocken, die man mit diversen Mineralpulvern dann vor der Fütterung einweichen soll, bis hin zu schnöden Trockenfutterpellets. Bei Letzteren wird die Bezeichnung Barf dann damit begründet, dass das Trockenfutter ja mit besonders natürlichen Zutaten, ohne künstliche Zusätze und absolut schonend und speziell zubereitet wird und eben nicht nur einfach Trockenfutter sei. Liebe Industrie, zum Mitschreiben: Wenn es zermahlen, vermischt, erhitzt und in kleine Bröckchen gepresst wird, doch dann ist es einfach Trockenfutter. Egal wie sehr ihr und ihre Marketingabteilung euch windet, es ist einfach Trockenfutter, aus.
Das selbe Spielchen hat man bei Nass Barf und Dosen Barf. Die Bildchen auf den Dosen zeigen schöne große Fleischstücke, daneben meist irgendetwas exotisches wie eine Süßkartoffel oder Pastinake, denn normales Getreide ist zu ordinär für solch exquisites Barf, aber macht man die Dose dann auf, findet man genau das, was man in den anderen Dosen auch findet… Dosenfutter eben. Manchmal auch mit weniger Flüssigkeit eingekocht und als Wurst in Folie abgepackt, aber unterm Strich hat es mit Barf noch so viel zu tun, wie der abgepackte Apfelkuchen mit dem Apfel. Aus dem Naturprodukt ist industriell verarbeitetes Fertigfutter geworden.
Was ja auch prinzipiell nichts Schlechtes ist. Mag sein, dass Fertigfutter für den ein oder anderen in der Achse des Bösen nur knapp unterhalb des Anitchristen einzuordnen ist, aber generell hat qualitativ hochwertiges Fertigfutter seine Vorteile.
Nur sollte man eben aufhören, Label auf sein Futter zu kleben, das ihm nicht zusteht. Ist es getrocknet, ist es kein Barf, ist es gekocht, ist es kein Barf, ist es sonst auf irgendeine Weise erhitzt worden, ist es kein Barf. Zur Erinnerung, das „R“ steht immer noch für „roh“, was Kombinationen wie Trocken Barf einfach ad absurdum führt.
Aus Sicht der Marketingabteilungen macht es selbstverständlich Sinn, über die nicht geschützte Bezeichnung zu versuchen, einen weiteren Kundenkreis anzusprechen und vielleicht den ein oder anderen Käufer abzugreifen. Wieso die Hundebesitzer jedoch darauf bestehen, ihr Fertigfutter Barf zu nennen, wird sich mir nie erschließen. Denn mit Vehemenz wird darauf beharrt, dass es sich bei dem neuen Dosenfutter eben nicht einfach nur um Nassfutter handelt, sondern dass es eben Dosen Barf sei. Es macht auch wenig Sinn dann eine Diskussion über die Bedeutung und Herkunft des Begriffs Barf zu führen und aufzuklären, was damit eigentlich gemeint ist.
Vielen Leuten ist das Etikett, dass sie auf die Ernährung ihrer Hunde kleben immer noch wichtiger, als der tatsächliche Inhalt seines Napfes.


Montag, 13. April 2020

Von der Epidemie zur Ausrede



Es sind eigenartige Zeiten. Großveranstaltungen werden abgesagt für dieses Jahr oder erstmal noch aufgeschoben. Normaler Trainingsbetrieb mit mehreren Personen ist verboten, je nach Bundesland steht sogar das Betreten des Trainingsplatzes allein schon unter Strafe.
Wir schreiben das Jahr 2020 und die Hundesportszene muss sich wie die ganze Welt damit abfinden, dass im Moment SARS-CoV-2 oder besser bekannt als das Corona Virus den Alltag diktiert. In allen Bereichen des Lebens muss nun umgedacht werden, Man braucht neue Wege, neue Ideen.
Viele passen sich an die vorrübergehende Einschränkung einfach an und trainieren weiter. Anders als bisher, aber sie machen weiter und der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Der eine trainiert im Garten das Voraus, der nächste läuft in der Lagerhalle Fuß, wieder andere machen im Wohnzimmer Positionsarbeit und üben in der Küche Halten mit dem Apportierholz oder bauen auf dem kleinen Grünstreifen neben dem Parkplatz das Verweisen neu auf.
Man kann sich nicht mehr treffen und dennoch finden die Leute Mittel und Wege trotz Kontaktbeschränkung zusammenzuarbeiten. Man nimmt die Dashcam mit zum Fährten, lässt die Handycamera beim Training im Garten mitlaufen und tauscht sich im Videocall oder in den sozialen Medien aus. Nicht nur werden die einzelnen Trainingseinheiten bewertet und Tipps gegeben, was man ändern könnte, nein, es werden vor allem Ideen geteilt, wie man in diesen Zeiten mit den begrenzten Möglichkeiten trotzdem weitermachen kann. Egal ob großer Garten, eigene Halle oder kleine Apartment, es wird jedem dabei geholfen, dass Mensch und Hund auch in diesen eigenartigen Zeiten ihr Training weiterführen und an sich arbeiten können.
Die meisten Leute finden einen Weg, damit es weitergeht, positiv weitergeht und damit sie, sobald die Beschränkungen aufgehoben werden, einfach an ihr Training anknüpfen und auf ihren Leistungen aus der Zeit vor Corona und auch auf dem Training während dieser Zeit aufbauen können.

Und dann gibt es die Anderen…
Für die war schon der erste Tag an dem darüber diskutiert wurde, das öffentliche Leben einzuschränken, der Tag, an dem das Ende ihrer Hundesportkarriere am Horizont aufzog. Der Moment in dem die Kontaktbeschränkungen ausgesprochen wurden und das Vereinsleben zum Stillstand kam, markierte dann den Moment, an dem die Welt unterging. Für diese Sportler war klar, dass es aus dem Loch in das nun alle fallen würden, wenn es vorübergehend keinen Schutzdienst geben würde oder man nicht zweimal die Woche gemeinsam auf dem Platz stehen konnte, keinen Ausweg mehr geben würde. Ihre Hunde würden auf ewig einen bleibenden Ausbildungsrückstand davontragen und nie wieder in der Lage sein, eine Qualifikation oder eine Meisterschaft zu bestehen. Der Tod ihrer Sportkarriere war an diesem Tag besiegelt worden, ihrer Meinung nach. Es wurde quer durchs Internet ein Trauersermon gehalten, auf die vielen viel zu früh verschiedenen Karrieren. Es wurde lamentiert, auf Politiker und Gott und die Welt geschimpft und noch mehr auf jene, die das ganze zwar schade, aber jetzt nicht weiter dramatisch fanden und eben anders weitermachen wollten, bis die Krise überstanden ist. Denn man würde die Tragik des Moments ja verkennen und kleinreden.
Dabei handelt es sich bei den Anderen mitnichten um jene, die in diesem Jahr mit ihrem Hund sie letzte gemeinsame Saison laufen und ihn dann in die wohlverdiente Rente schicken wollten. Auch nicht um jene, die bereits alle bisherigen Qualis für die Meisterschaften gesammelt hatten. Nein, der Großteil der Jammerer rekrutierte sich aus den Reihen jener, die sich gerade mit ihrem jungen Hund – oftmals dem ersten, den sie ihm im Sport führen - auf die aller erste Prüfung vorbereiteten, bei denen in den nächsten Monaten vielleicht die BH/VT anstand. In diesen Reihen wurde massenhaft das Weltuntergangsszenario des Hundesports prophezeit und zelebriert.
All die zukünftigen Weltmeister, Überflieger und Seriensieger aus denen nun nichts werden wird, weil man im Jahre 2020 eine Hälfte der Saison streichen musste. Überall wird um die begrabenen Sportträume und Fantasien getrauert und in tiefschwarzer Farbe die Zukunft gemalt.
Und so mutiert das Virus jetzt schon und zwar von der Epidemie zur Top-Ausrede der kommenden Jahre. Für eine ganze Generation Hunden wird Corona nun in viel zu vielen Mündern als Ausrede herhalten müssen, wieso etwas nicht geklappt hat und wieso alles so viel schlechter geworden ist, als man es bei Anschaffung des Hundes doch großspurig allen erzählt hatte.
In nicht allzu ferner Zukunft werden Sportler und Trainer wieder auf dem Platz stehen, gemeinsam arbeiten und von Zeit zu Zeit genervt aufseufzen und mit den Augen rollen und zwar genau immer dann, wenn wieder einmal jemand vor ihnen steht, der ihnen erklärt, dass das Problem ja nur daher rührt, dass man damals in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2020 nicht vernünftig trainieren konnte, durch die große Corona Krise und das Ausbildung und Hund nachhaltig geschädigt und auf Dauer verdorben hat.