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Dienstag, 21. März 2023

Dagmar Cutka – Hunde longieren


 

Das 33. Buch

 

Longieren erfreut sich unter Hundehaltern immer größerer Beliebtheit und mit diesem Büchlein hat Autorin Dagmar Cutka eine leicht verständliche Anleitung für den Einstieg ins Longieren verfasst. Zwar mag man darüber diskutierten, ob das Longieren wirklich eine so bahnbrechende Wirkung hat, wie es im Vorwort geschildert wird, oder ob die positive Auswirkung nicht einfach auf die strukturierte und dauerhafte Beschäftigung mit dem Hund zurückgeht, aber das ist ein kleiner Nebenschauplatz, den man unter dem Aspekt der Werbung getrost ignorieren kann.

Im Buch wird der Basisaufbau kleinschrittig und leicht verständlich beschrieben, angefangen von so simplen Sachen wie der richtigen Motivation und der nötigen Grunderziehung bis hin zu dem passenden Equipment. Beim Equipment ist positiv hervorzuheben, dass die Autorin da nicht in irgendeine übergestülpte Philosophie verfällt, sondern auch neutral über das Thema Halsband gesprochen wird.

Im weiteren Verlauf wird darauf eingegangen, wie man den Anspruch ans Training steigern kann. Wieder wird Schritt für Schritt eingängig erklärt, auf mögliche Fehler hingewiesen und auf einen strukturierten und klaren Aufbau geachtet. So gelangt der Leser von den ersten Schritten bis zu weiterführenden und anspruchsvolleren Trainingsaufbauten und wird dabei von der Autorin gut und umfassend angeleitet.

Am Ende des Buches präsentiert die Autorin dann nochmals den Inhalt des Buches zusammengefasst in übersichtlichen Trainingsplänen in drei Schwierigkeitsstufen, um ein schnelles Nachlesen zu ermöglichen.

Für interessierte Einsteiger, die sich mit dem Thema Longieren befassen wollen, ein sehr empfehlenswertes Buch, das ohne Extreme und übergestülpte Philosophien auskommt. Es wird sachlich und unaufgeregt Wissen zur neuen Beschäftigung mit Hund vermittelt, das der Leser mit Freude aufnehmen und in der Praxis umsetzen kann.

Montag, 7. November 2022

Clarissa von Reinhardt – Leinenaggression

 


Unser 32. Buch

Ein kleines Vorwort:

Ich gestehe, ich habe langsam keine Lust mehr, Bücher aus dem Animal Learn Verlag zu lesen. Sie sind meist überdurchschnittlich teuer, massiv ideologisch gefärbt und konnten in bisher fast allen Fällen keinen wirklich wertvollen Inhalt liefern. Auf die Schnelle fallen mir drei Bücher ein (von 16 gelesenen), die ich als positiv und weiterführend empfunden habe, der Rest war nicht hilfreich.

Ich werde auch in Zukunft definitiv kein Geld mehr für Werke aus dem Haus ausgeben, allerdings habe ich noch zwei oder drei weitere Animal Learn Bücher auf meinem SuB, die ich irgendwann man geschenkt bekommen habe, deshalb werden noch ein paar Rezensionen folgen.

Nun sind wird also bei Leinenaggression. Ein kleines Büchlein mit gerade einmal 67 Seiten – ja, es sind ein paar mehr im Buch, aber auch denen sind dann nur die Animal Learn obligatorischen Zeilen für eigene Notizen und Werbung für andere Bücher – für stolze 16 Euro.

Auf den ersten Seiten wird erklärt, wie Leinenaggression nach Meinung von Animal Learn entsteht. Auf Platz eins steht der brutale Umgang des Halters mit unpassenden Erziehungsmaßnahmen, untermalt wird das ganze von einer ausschweifenden Geschichte eines Hundes, die mehr Platz einnimmt, als die ursprüngliche Erklärung. Danach folgen Stimmungsübertragung und Frust (verursacht durch den Halter) und traumatische Erlebnisse. Auch wenn das Buch keine komplette Liste verspricht, ist das doch sehr kurzgefasst und man merkt schnell, in welche Richtung es gehen soll.

Danach folgt eine ausführliche Anleitung, welche Ausrüstung man fürs Training benötigt und wieso die, die man unter dem Link zum Animal Learn Shop zu kaufen findet, die perfekte ist und man idealerweise nur die nutzen sollte. Im Anschluss gibt es natürlich auch eine Blacklist von Utensilien von denen man die Finger lassen soll. Die Erklärung wieso Sprühhalsbänder böse, gefährlich und oft nutzlos sind und zur so gefürchteten „gelernten Hilfslosigkeit“ führen, nimmt alleine neun Seiten ein und damit ist der Leser bereits auf Seite 37 und ist noch kein Stück weiter bei seinem Problem.

Danach folgt ein Kapitel zum Thema Leinenführigkeit und auch hier gibt es ein paar mehr als „interessante“ Erklärungen, wie Leinenziehen entsteht, z.B. sind auch hier wieder u.a. die falschen Utensilien verantwortlich. Per se sind die Übungstipps nicht schlecht, sie sind jedoch einfach sehr in der Ideologie beschränkt und mal wieder ist alles andere, als die eigene Ideologie falsch bis gefährlich.

Und damit sind wir auf Seite 50 angekommen. Wir erinnern uns, der Titel des Buches lautet „Leinenaggression“ und zu dem Thema wurde bisher herzlich wenig geschrieben. Ja, der Aufbau von Leinenführigkeit ist wichtig, aber dafür hat der Animal Learn Verlag ein eigenes Büchlein (70 Seiten für 14€).

Die letzten Seiten widmen sich nun endlich dem Training der Leinenaggression und bietet hier zwei Trainingsvarianten. Variante eins, genug Abstand halten und versuchen die Wohlfühldistanz des Hundes durch Leckerchen kleinschrittig zu vergrößern, die zweite entfernt am Anfang einfach den Stressauslöser Leine und lässt die Hunde im Freilauf und versucht dann durch kurzzeitiges Anlegen der Leine die Toleranz weiter auszubauen.

Sicherlich beides keine falschen Ansätze, nur fraglich, wie man das im normalen Alltag umsetzen soll, weil für den Trainingszeitraum Management ohne negative Begegnungen gefordert wird. Es hat ein wenig den Anschein einer Versuchsanordnung aus einem Labor. In absolut kontrollierter und abgezäunter Umgebung sicherlich möglich, im realen Leben wird es eher nicht möglich sein, was zu massiven Trainingsrückschritten führen wird.

Leider bestätigt auch dieses Buch mal wieder meine Vorurteile gegen Animal Learn. Wenig Buch, noch weniger verwertbarer Inhalt, viel Ideologie und Eigenwerbung und dazu ein paar bunte Bilder.

Keine Leseempfehlung.

Montag, 6. Juni 2022

Nadine Wolf - Das BARF-Buch

 



Das 30. Buch.

 

Der aktuell vermutlich am öftesten empfohlene Ratgeber rund um das Thema Barf präsentiert sich in frischem Coverdesign, eher minimalistisch aber dennoch auf Grund der eingängigen Farbgestaltung mit hohem Wiedererkennungswert. Die Autorin wird als Barf Beraterin und Dozentin vorgestellt und im Vorwort von Swanie Simon persönlich für ihre Aufklärungsarbeit im Gesunde Hunde Forum und einem Blog gelobt. An dieser Stelle sollte einem eigentlich bereits klar sein, wohin die Reise geht.

Wolf erklärt ausführlich und in klar strukturierten Kapiteln alle gängigen Fragen. Angefangen von der Geschichte des Barfens, über die Vorteile der Fütterung und die übliche Abhandlung zu Mythen bis hin zum Hauptteil, der sich mit dem Aufbau der Barf Ration beschäftigt.

Dem geneigten Leser wird hier mittlerweile eines ins Auge gesprungen sein, nämlich, dass einem das alles sehr bekannt vorkommt. Nicht nur die Methodik, sondern auch der Aufbau und die Ausdrucksweise. Im Grunde liest man hier eine Neuauflage und Zusammenfassung von Swanie Simons Broschüren. Aufgehübscht mit ein paar „Exkursen“ – die im Übrigen vom Layout her so winzige gestaltet wurden, dass es kaum möglich ist, sie vernünftig zu lesen, wenn man nicht zur Leselupe greift – und einer Menge an netten Fotos und Illustrationen, die in den meisten Fällen leider nur dazu dienen, halbleere Seiten noch irgendwie voll aussehen zu lassen.

Neues gibt es aus Swanies Barf Welt leider nicht. Es ist immer noch die selbe Lehre von der Protein Mast, mit Rationen mit horrenden hohen Anteilen an tierischen Bestandteilen und der Ablehnung von Kohlendhydraten. Die Entwicklung, die andere Denkungsrichtungen der Rohfütterung durchgemacht haben, sind hier leider spurlos an der Autorin vorbeigegangen.

Die versprochenen 14 Rezepte präsentieren sich dann auch schön hipp, mit Süßkartoffeln, Feigen, Kaki und weiteren doch eher ungewöhnlichen Bestandteilen, die in erster Linie toll klingen und auf den Fotos farblich gut wirken, den routinierten Rohfütterer aber eher mit den Schultern zucken lassen.

Leider orientiert sich auch dieses Buch wieder mehr an einer Fütterungsphilosophie, die mit Ausbildung und privaten Kontakten über Jahren aufgesogen wurde, denn an den wissenschaftlichen Vorgaben, die man von Meyer/Zentek und Co kennt.

Ja, ich gestehe, ich habe auch so angefangen. Prozentuale Futtereinteilung, extrem hoher Anteil an tierischem Protein, große Skepsis gegen Kohlenhydrate aller Art. Zum Glück für meine Hunde, habe ich nicht bei einer Informationsquelle verharrt und mit den Jahren dazu gelernt und die Fütterung angepasst. Ich würde niemandem empfehlen, das so gehypte Barf-Buch als Fütterungsanleitung zu nehmen. Vor allem Anfänger sollten sich einem weniger stark begrenzenden und dogmatischen Fütterungsmodell zuwenden, wenn sie sich für Rohfütterung interessieren.

Eine Empfehlung kann es deshalb von mir für dieses Buch nicht geben.