Freitag, 22. Mai 2015

Wo sind all die Sportler hin

 

Jedes Jahr werden tausende Gebrauchshunde alleine in Deutschland geboren. Jedes Jahr versprechen tausende Welpenkäufer diesen Nachwuchs sportlich auszubilden und zu führen und jedes Jahr verschwinden tausende Nachwuchssportler mit ihren vierbeinigen Sportkollegen quasi vom Erdboden.
Mein Rüde hat fünf Wurfgeschwister. Eine Hündin wurde als Suchhündin beim privaten Wachdienst ausgebildet, ein Rüde wird hobbymäßig im Mantrailing geführt, der Rest des Wurfes ist von der Bildfläche verschwunden, keine Ausbildungskennzeichen hinterlegt. Meine Hündin hat acht Wurfgeschwister. Eine Schwester wird in der IPO gearbeitet, eine weitere Schwester wird in BGH geführt. Der restliche Wurf ist weg.

Wo sind all die Sportler hin?

Die Leute kommen zum Hundeplatz, mit jungen gut veranlagten Hunden, hochmotiviert und werden an den meisten Orten auch freundlich und offen empfangen. Sie freuen sich, trainieren ein wenig, haben große Pläne, trinken Kaffee und verschwinden eines Tages plötzlich wieder. In den wenigsten Fällen gab es einen Vorfall, nur selten gab es böses Blut. So schnell wie die Begeisterung für den Hundesport und die Arbeit mit dem jungen Familienzuwachs kam, ist sie auch wieder verschwunden.

Ein Phänomen mit dem nicht nur der IPO Sport zu kämpfen hat. Auch in den Agility Vereinen und den Hundeschulen bietet sich ein ähnliches Bild. Die Kurse sind in der Regel besser gefüllt als der IPO Platz, das ist gewiss, doch besucht man die Kurse ein halbes Jahr später sieht man die altbekannten Recken, die dem Sport seit Jahren die Treue halten und neue motivierte Gesichter, die in ein paar Monaten wieder verschwunden sein werden.

Woran liegt es, dass künftige Weltmeister beim Welpenkauf wie Primelchen aus dem Boden schießen, nur um so schnell wieder zu verschwinden wie sie aufgetaucht sind? An der Qualität der Hunde kann es nicht liegen und wenn man sich umsieht und erkennt wie vielschichtig und modern die Ausbildungsmethoden auch in der SV OG der tiefsten Provinz geworden sind, kann es in der breiten Masse auch nicht daran liegen, dass die ewig vorsintflutlichen Ausbildungswege moderndenkende Hundefreunde verschreckt haben.

Vielleicht liegt es an der modernen Erwartungshaltung. Erfolg muss sofort sichtbar sein, er muss schnell eintreten und falls irgend möglich sollte er auch bitte vom Himmel fallen. Die Wenigsten sind heute nach bereit oder fähig, für ihren Erfolg auch wirklich zu arbeiten. Man kommt sich bisweilen vor wie im Kindergarten. Langzeitplanung liegt den Meisten nicht mehr und wenn man nicht binnen ein paar Wochen auf demselben Trainingsstand ist, wie der Vereinskollege, der seit zwei Jahren konsequent arbeitet und die größten Rückschläge schon hinter sich hat, verlässt manchen schnell die Motivation.

Es ist „in“ geworden, sich wie ein bockiges kleines Kind hinzustellen, mit dem Fuß aufzustampfen und alles hinzuwerfen, wenn der Weg mal steinig wird und man seinen Willen nicht sofort bekommt. Eine Entwicklung die per se nichts mit dem Hundesport zu tun hat, deren Auswirkungen man aber nur zu deutlich auf den Hundeplätzen spürt.
Wird zu Beginn noch fleißig trainiert, kommen die Neulinge bald nur noch zum Plaudern und Kaffeetrinken und bald gar nicht mehr. Vergessen die großen Vorhaben, vergessen die Worte die man dem Züchter sagte, als die Pläne noch groß und vor allem theoretisch waren. Durchhalten, sich auch über längere Zeit für eine Sache engagieren können nur noch wenige dieser Tage.

Hie und da findet man noch einen, einen vom alten Schlag bei dem das Interesse nicht nur ein schickes Strohfeuer ist. Einen, der nicht nur dem aktuellen Trend hinterherläuft und in Kürze zum nächsten In-Sport mit oder ohne Hunde wechseln wird. Teamplayer mit Durchhaltevermögen und echtem Engagement sind selten geworden in der modernen Gesellschaft. Eine traurige Entwicklung und es bleibt nur zu hoffen, dass es ein Umdenken geben wird, nicht nur im Interesse des Hundesports.

Montag, 11. Mai 2015

Wenn Hänschen nicht schwimmen kann...


 
…ist bekanntlich ohnehin immer das Wasser schuld. Die Prüfungs- und Turniersaison hat begonnen, die ersten Meisterschaften haben stattgefunden und sie blüht wieder, die große bunte Ausredenkultur.

Für uns steht die erste Prüfung an und ja ich habe weiche Knie dabei, weil ich weiß, dass wir gerade in der Unterordnung noch so ein paar Defizite haben, bei denen ich mir nicht sicher sein kann, ob die kleinen bunten Glasperlen im Kopf meines Hundes nicht plötzlich anfangen Samba zu tanzen und es der Madame mitten in der Arbeit die Sicherungen rauslässt. Das ist der aktuelle Stand auf dem wir gemeinsam kämpfen. Dafür gibt es viele Gründe, sicher auch einige Ausreden, aber wenn die Prüfung gelaufen ist, ist dieser Stand die Ursache für das Ergebnis.

Haben die Trainingskollegen an diesem Nachmittag ein besseres Ergebnis in der Leistungsurkunde stehen, wird es daran liegen, dass sie am Prüfungstag den besser vorbereiteten Hund hatten. Mag sein, dass einige es bei der Ausbildung leichter hatten, weil sie einen besser veranlagten Hund an der Leine haben, aber am Ende wird es immer das Ergebnis der eigenen Arbeit sein.

Umso erschreckender finde ich die Statements, die man zurzeit in diversen Foren, auf Facebook und auf Vereinsseiten zu lesen bekommt. Vor der Prüfung wurde groß getönt, was man alles hat und kann und mit welchen Ergebnissen man definitiv nach Hause kommen wird. Die Ernüchterung folgte sehr schnell, wenn der Richter die Betroffenen bei der Besprechung recht unsanft mit der Realität kollidieren ließ. Erschreckend ist nur die Reaktion der Leute. Die Idee, sich das nächste Mal besser vorzubereiten taucht nur selten auf. Nein es wird darüber gewettert, dass man das hässlichere Stück der Fährtenwiese hatte, dass der Richter bei den Fehlern der anderen nur gerade auf sein Richterblatt gesehen hat und dass der Figurant ein Stümper war. Schuld an der eigenen durchschnittlichen Leistung sind sofort die anderen.

Selbst auf der FB Seite eines amerikanischen Trainers ist plötzlich die eigene Nationalität ein Hinderungsgrund, weil man durch die lange Anreise, die fremden Helfer und die ausländischen Richter immer nur Nachteile habe. Teilnehmer aus China… die sind eben einfach nur untalentiert, haben die schlechteren Hunde und sind von der Ausbildungsweise nicht auf dem Stand der Zeit. Bei den Amerikanern ist es die Tatsache, dass die Richter keine Amerikaner waren und die Meisterschaft in einer anderen Zeitzone stattgefunden hat.

Wie es ein Deutscher geschafft hat die WUSV WM in den USA zu gewinnen, steht auf einem anderen Blatt.

Es ist traurig, dass man sich selbst in den hohen Sporträngen mittlerweile damit angefreundet hat, sich nicht der Kritik zu stellen und an sich selbst zu arbeiten, sondern in erster Linie eine schnelle Erklärung zu suchen und am Liebsten eine, bei der jemand anders Schuld ist.

Ich werde dieses Jahr auf einigen Prüfungen und Meisterschaften auf den Zuschauerrängen stehen und ich hoffe, dass ich es wieder öfter erleben werden, dass in dem Moment wenn Hänschen untergeht nicht auf das Wasser geschimpft, sondern wieder überlegt wird, ob man den Schwimmunterricht nicht doch anders gestalten sollte.

 

In diesem Sinne, euch allen eine erfolgreiche und selbstkritische Prüfungssaison.
 
 

Donnerstag, 9. April 2015

Christopher Posch „Die Welpenmafia – Wenn Hunde nur noch Ware sind“


Unser zweites Buch…

Das Thema Wühltischwelpen ist derzeit in den Medien sehr präsent. Auch wenn das Privatfernsehen langsam wieder beginnt, das Interesse zu verlieren, laufen im Internet noch die Aufklärungskampagnen. Egal ob VDH, Tasso oder der Deutsche Tierschutzbund, alle beteiligen sich an der „Nein zu Wühltischwelpen“ Kampagne.
Das Buch von Rechtsanwalt Christopher Posch entstand in den Anfangszeiten, als das Privatfernsehen die Thematik für sich entdeckte und im Rahmen einer Reality Show mit Herrn Posch den Fall einer Welpenkäuferin und ihrem Kampf gegen den Verkäufer ihres kranken Hundewelpen zeigte.

Mit diesem Fall eröffnet der Autor auch sein Buch. Etwas steif mit ordentlich Juristendeutsch schildert er die Geschehnisse rund um den Billigkauf eines Havaneserwelpen. Deutlich emotionaler gestalten sich die Folgekapitel, die Co Autorin Birgitt Thiesmann von Vier Pfoten verfasst hat. Sie schildert die Zustände auf den Welpenmärkten, die Masche mit dem Mitleid und appelliert eindringlich an die Leser, sich nicht hinreißen zu lassen.

Allein für diesen einen Satz aus Kapitel 8: „Eine der wichtigsten Leitlinien im Kampf gegen den illegalen Welpenhandel lautet, niemals ein Tier aus Mitleid zu kaufen oder weil es billig ist. “ würde ich am liebsten dafür plädieren, dass jeder dieses Buch lesen sollte, bevor er über die Anschaffung eines Hundes nachdenkt.
Doch leider bleibt der Satz eines der wenigen Highlights im Buch. Frau Thiesmann schildert weiter von Dreharbeiten, der Räumung einer Welpenfabrik, den Zuständen auf den polnischen Märkten auch nach Verschärfung des Tierschutzgesetzes, der Beschlagnahmung von Schmuggelwelpen auf einem deutschen Parkplatz und gefälschten Impfausweisen aus aller Herrenländer.

Die Thematik ans ich ist interessant und wichtig, doch leider springen einen ständig die Werbenamen der beteiligten TV Produktionen aggressiv an und jeder der im Fernsehen auch nur eine einzige Reportage zum Thema illegaler Welpenhandel gesehen hat, kennt die von Posch und Thiesmann zu Papier gebrachten Geschichten bereits in Wort und Bild, denn etwas neues wurde den RTL Reportagen in diesem Buch nicht hinzugefügt.

An die Schilderungen der Erlebnisse auf dem Polenmarkt schließt eine allgemeine Schilderung von möglichen Krankheiten an, neben Parvovirose und Staupe wird auch die Tollwut als immer noch drohende Gefahr dargestellt und der präsentierte Impfplan der Impfkommission ist in der heutigen Zeit auch bereits veraltet und veranlasst jeden der sich mit dem Thema des individuellen Impfplans und den aktuellen Gültigkeiten der Einzelimpfungen beschäftigt hat, nur mit dem Kopf zu schütteln.

Generell präsentiert sich Poschs „Welpenmafia“ wie ein mittelmäßig recherchierter Bericht aus einer RTL Nachmittags-Boulevard-Sendung - aus einem solchen ist es zweifellos wohl auch entstanden. Es wechseln tragische Fallberichte mit hohem Taschentuchfaktor über totkranke, sterbende Welpen und misshandelte, traumatisierte und kranke Hündinnen mit trockenen Passagen über juristische Hintergründe. Das Buch will und will einfach keinen einheitlichen Tonfall finden, der es dem Leser leicht macht, die 29 Kapitel durchzuhalten.

Die anschließende Vorstellung von drei vorbildlichen VDH Zuchten ist gut gemeint, driftet aber etwas zu sehr in Lobhudelei ab und verstärkt die Klischeewirkung des Buches mit dieser extremen schwarz-weiß Malerei nur noch zusätzlich. Die Intention zu zeigen, welche Arbeit sich seriöse Züchter machen ist wirklich ehrbar, doch wie an so vielen Stellen in diesem Buch fällt auch dieses Kapitel unter das Stichwort „gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht“. Die allgemeine Checkliste vor der Hundeanschaffung vermittelt eher das Gefühl von Füllstoff. Die Auflistung von „Habe ich genug Zeit“ bis „Wer füttert Waldi im Urlaub“ steht in gefühlten tausend Büchern und doppelt so vielen Artikeln, wieso man dem ein eigenes Kapitel in einem Buch über illegalen Welpenhandel widmen muss – zumal mit keinem Wort die Wahl eines seriösen Züchters erwähnt wird – bleibt rätselhaft.

Die anschließenden „Briefe von Betroffenen“ sollten vermutlich das Gesamtbild abrunden und beweisen, dass sich das Buch nicht an Einzelfällen aufhängt. Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich einfach kein Mitleid mehr empfinden kann für die „Opfer“ der Welpenmafia. Wer vor 30 Jahren auf den Großhändler von Ammereuth rein gefallen ist, hatte damals Pech. Wer bei der heutigen Informationsflut auf dem Polenmarkt, aus einem Kofferraum oder beim Großhändler einen Welpen kauft, gehört für so viel Dummheit einfach bestraft. Da beißt die Maus für mich keinen Faden ab. Bei jedem Erfahrungsbericht, dachte ich nur „geschieht euch ganz recht, hätte euch noch mehr Geld kosten sollen, dann merkt ihr es euch vielleicht fürs nächste Mal“. Bei jeder Waschmaschine wird mehr Aufwand und Recherche betrieben, als beim durchschnittlichen Welpenkauf.
Den Abschluss bilden ein „nicht alle Menschen sind schlecht“ Epilog von Frau Thiesmann und eine kitschige „Ich bin dein Welpe“ Geschichte.

Ich würde das Buch wirklich gerne mögen, ich würde es gerne weiterempfehlen, weil es ein so aktuelles Thema behandelt, dass mit so viel Leid für Tier und Mensch verbunden ist und man dieses Leid nur eindämmen oder gar stoppen könnte, wenn sich mehr Menschen über die Abläufe im Hintergrund bewusst wären und nicht nur auf der Jagd nach dem nächsten Schnäppchenrassehund wären. Doch leider kommt Poschs "Welpenmafia" nicht über das Niveau einer RTL Vorabendreportage hinaus und verschenkt sein ganzes Potential in dem es im Grunde eine schnöde Nacherzählung von dutzendmal gesehenen TV Beiträgen. Jeder der sich auch nur einen der Beiträge angesehen hat, wird aus dem Buch nichts Neues erfahren. Einzig Leser die noch nie Berührung mit dem Thema hatten, können in diesem Buch Denkanstöße finden, allerdings dürfte der Stilmix viele Leser abschrecken.

Bleibt zu hoffen, dass sich eines Tages ein anderer Autor dieses wichtigen Themas annimmt und einen runden, informativen und gut strukturierten Text zum Thema Vermehrer und illegalen Welpenhandel auf den Markt bringt, der die Aufklärung wirklich unterstützt. 

Freitag, 27. März 2015

Schluss mit lustig



 
Es ist in aller Munde und auf immer mehr Sportplätzen und bei fast jeder Hundeschule zu finden, das Just4Fun Training. Die IPOler scheinen hier mal wieder eine Sonderstellung zu haben. Vielleicht fehlt uns einfach der Humor, aber bis jetzt sind mir noch keine Just4Fun IPOler untergekommen, jeder hat das Training – mehr oder weniger – ernsthaft betrieben mit dem klaren Ziel, eine Prüfung abzulegen.

Doch wirft man einen Blick über den Tellerrand wird der „Fun“ ganz groß geschrieben. Just4Fun Agility, Just4Fun Disc Dogging, Fun Trailing, Fun Obedience, Fun, Fun, Fun til her daddy took… ach nein, das war ja etwas anderes.

Lange habe ich mich gefragt, wo der Unterschied zwischen den Just4Fun Sportlern und den anderen liegt. Keiner den ich kennen gelernt habe, hat seinen Sport unter Zwang gewählt und ohne Spaß an der Sache, wäre keiner durch die lange Ausbildung mit seinem Hund gegangen. Also habe ich mich umgehört, mit den Just4Fun Sportlern geplaudert und nach dem Unterschied gefragt. Es sei weniger Ehrgeiz im Spiel, man würde sich selbst nicht so unter Druck setzen, auch mal fünf gerade sein lassen und eben einfach nur Spaß an der gemeinsamen Aktivität haben. Um mich selbst von dem Spaß zu überzeugen, wurde ich zu einem „Agility Fun Turnier“ eingeladen. Dort könne ich sehen, wie es ist, wenn nicht verbissen auf Zeit gelaufen wird, wenn der Hund Sportkumpane und nicht Sportgerät sei. Der Besuch würde mir die Augen für den Unterschied öffnen.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich, bevor ich mit Cardassia wieder zum IPO Sport zurückgekehrt bin, einige Jahre mit Agility geliebäugelt habe und mit Freunden die diesen Sport sehr erfolgreich betrieben, auf mehr als einem Turnier Besucher war. Auf jeden Fall hatten mir die Veranstalter nicht zu viel versprochen, das Turnier machte mir ein für alle Mal klar, wo der Unterschied zwischen Just4Fun und „normal“ lag. Ich sah an diesem Tag etwas über 20 Starter. Hunde die eigentlich zu groß und zu schwer waren, um vernünftig durch den Parcours zu kommen, Hunde die zu klein und leicht waren, um die Wippe zu bewegen. Hunde die mit solcher Geschwindigkeit auf den Laufsteg rannten, dass sie von der schmalen Lauffläche stürzten. Hunde die ungebremst auf die Schrägwand bretterten, oben kurz nach dem Scheitelpunkt absprangen und denen bei der Landung am Boden alle Gelenke gestaucht wurden. Hunde sie sich im Tunnel überschlugen, weil sie unkontrolliert hindurchrasten und noch vieles mehr.

Ich versuchte mir einzureden, dass man daran noch arbeiten würde. Doch auf den Hinweis nach der ausbaufähigen Technik der meisten Hunde, wurde empört reagiert. Man mache doch den Sport Just4Fun, da würde man sich und den Hund nicht mit dem ganzen Technikunsinn belasten, man wolle ja schließlich Spaß haben. Egal wohin ich auch sah, in allen Just4Fun Sportarten bot sich mir das gleiche Bild. Just4Fun hatte überall dieselbe Bedeutung: schlampig ausgebildet. Bei Fährtenarbeit und Unterordnung mag das noch harmlos sein, bei allen Sportarten bei denen eine körperliche Belastung hinzukommt, ist das der Punkt an dem der Spaß aufhört.

Gerne wird den ernsthaften Sportler die höher führen vorgeworfen, der Hund wäre ein Sportgerät, ein Gegenstand der in den Prüfungen verheizt wird. Doch sehe ich mich im persönlichen Umfeld um, ergibt sich ein anderes Bild. Die Hunde der „ernsthaften“ Sportler egal ob IPO oder Agility beendeten ihre Sportkarriere mit etwa acht bis neun Jahren, geplagt vom Beginn der üblichen Alterszipperlein, aber im Grunde fit. Die Just4Fun Sporthunde waren in dem Alter schon längst Dauerpatient beim Physiotherapeuten und Frührentner. Bandscheibenvorfall, Kreuzbandriss, Arthrosen und wiederkehrende Lahmheit zwangen die Just4Fun Fraktion schon früh zum Rückzug vom Sport. Eine Ursache erkannte niemand, manchmal hat man einfach Pech mit der Gesundheit des Hundes, gerade beim Mischling aus dem Tierschutz weiß man nun mal einfach nicht, ob der nicht genetisch vorbelastet war oder durch Mangelernährung in der Welpenzeit vorgeschädigt wurde. Also nahm man mit dem nächsten Hund das Just4Fun Training wieder auf. Auf technische Übungen verschwendete man keine Zeit, exaktes Ausarbeiten der einzelnen Geräte muss auch nicht sein, schließlich will man ja Spaß haben und das so schnell und so viel wie möglich. Regeln beim Training stören da nur, ebenso wie diese seltsame Modeerscheinung des Warm-Up und Cool-Downs rund um die Trainingseinheiten. Vorsorgeuntersuchungen sind auch nur etwas für kranke Rassen und wieso man einen Physiotherapeuten aufsucht, wenn das Tier nicht verletzt ist, stößt auch auf breites Unverständnis. Immerhin macht man alles ja nur Just4Fun, Röntgenbilder von Hüfte und Ellbogen braucht man ja nur für Turnierstarts…. Oder wenn der Hund nach vier Jahren voll Spaß plötzlich nicht mehr laufen kann.

Just4Fun…. Eine Beschreibung die unzählige Leute anzieht und für mich in den letzten Jahren immer mehr zum Warnhinweis geworden ist. Denn in fast allen Fällen die mir begegnet sind, stand Just4Fun für schlecht qualifizierte Trainer und schlampige Ausbildung, die im schlimmsten Fall zu Lasten der Gesundheit der Vierbeiner ging. Ich bin sehr froh, dass diese Entwicklung bislang keinen Einzug in den IPO Sport gehalten hat und hoffe, dass es so bleibt und auch in den anderen Sportarten der Trend wieder weg von zu viel "Fun" geht.
Denn bei Just4Fun ist für mich Schluss mit lustig

Erzieh gewaltfrei... sonst knallt es!


 
 
 
 
Ich denke es hat keinen Sinn es zu leugnen, deshalb bekenne ich mich lieber gleich von Anfang an zu der Tatsache, dass ich definitiv nicht zur Fraktion der „alles durch positive Verstärkung und nur durch positive Verstärkung und nichts als positive Verstärkung“ Fraktion gehöre. Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass ich in der Ausbildung Gewalt anwende, doch das Prinzip der körperlichen Korrektur ist meinen Hunden nicht fremd – weder den aktuellen noch den früheren.
Ich persönlich halte das Konzept der Erziehung und Ausbildung nur durch positive Bestärkung in meinem Lebensumfeld auch nicht für wirklich umsetzbar. Ist Cardassia gerade dabei unter den Nachbarshühnchen, die sich mal wieder in meinen Garten verirrt haben, ein Massaker anzurichten, überlege ich kein Alternativverhalten, das ich anbieten und positiv verstärken könnte und ich bin auch nicht gewillt das Ganze zu ignorieren in der Hoffnung, dass sie das Interesse verliert, wenn die Bestätigung von meiner Seite ausbleibt…. Nein, es gibt einen donnernden Befehl und Madame wird an dem Körperteil, das ich zuerst zu fassen bekomme nicht besonders sanft von ihrem auserwählten Opfer weggezerrt.
Aber um die Frage ob Erziehung und Ausbildung nur über positive Bestätigung überhaupt funktionieren kann, soll es hier nicht gehen. Die Thematik wurde bereits hunderte Male durchgekaut und dass eine Einigung der feindlichen Parteien nicht wahrscheinlich ist, war schon nach der ersten Behandlung der Frage absehbar. Wesentlich interessanter finde ich hingegen aktuell die extreme Diskrepanz die die „wir erziehen rein positiv“ Hundehalter (nennen wir sie doch einfachheitshalber WERP) in ihrem Verhalten gegenüber Mensch und Hund zeigen.
Ich wohne im direkten Einzugsgebiet einer der Vorreiterhundeschulen in der WERP Bewegung und habe somit zwangsläufig fast täglich Kontakt mit Vertretern dieser Philosophie. Doch auch in diversen online Foren trifft man sie immer häufiger. Menschen die in ihren Signaturen Phrasen wie „Gewalt beginnt, wo Wissen endet“ oder Schopenhauers „Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken.“ Auch Astrid Lindgren muss mit „Man kann in die Tiere nichts hineinprügeln, aber man kann manches aus ihnen herausstreicheln“ oftmals herhalten. Zitate die eine friedliche, liebevolle Grundeinstellung nach außen tragen sollen. Die Botschaft ist klar für alle zu erkennen und wird plakativ nach außen getragen: Wir sind gegen Gewalt, wir haben eine höhere Ebene erreicht und haben Auseinandersetzungen auf solch niedrigem Niveau nicht mehr nötig.
Es werden fleißig Artikel wie „Köpfchen statt Knöpfchen“ von C. v. Reinhart geteilt und Aktionen wie „Stachler gegen Trainingsstunde“ beworben. Alles wirkt friedlich und kultiviert, bis eines Tages einer daher kommt und es wagt den Vorstellungen der WERPs zu widersprechen oder noch schlimmer, gegen ihre Leitsätze zu verstoßen.
Plötzlich werden Weiber zu Hyänen und hinter den Masken der Pazifisten treten blutrünstige Berserker hervor, die nach Lynchjustiz plärren. Sehr schön zu sehen war dieser plötzliche Gewaltausbruch zuletzt anlässlich Herrn Grewes „Schüsselaffäre“. Plötzlich strömten User aus allen Himmelsrichtungen zusammen, die am Vortag noch gepredigt hatten, dass Gewalt zu verabscheuen sei und drohten einem Mann, den sie nie persönlich kennengelernt hatten öffentlich damit, ihn zusammenzuschlagen und schlimmeres, sollte er ihnen je begegnen.
Ein ähnliches Bild zeigte sich, als vor einigen Monaten die Falschmeldung über den Tod des amerikanischen Hundetrainers Cesar Millan durch Facebook geisterte. Statt Beileidsbekundungen klatschen die WERPs Applaus. Es wurde sich erleichtert darüber gezeigt, dass der „Dreckskerl endlich bekommen hat, was er verdient“. Nachdem der Hoax aufgeklärt worden war, zeigten sich viele enttäuscht. Eine Userin bedauerte es mit den Worten: „Schade, ich hätte es dem wirklich gegönnt.“ Eine Frau, die es am Tag zuvor aufs übelste verurteilt hatte, dass ein Hund für ein Fehlverhalten angeschrien wurde, wünschte einem Familienvater den Tod.
In Worten und dem Hund gegenüber predigen die WERPs den absoluten Gewaltverzicht und Gewalt beginnt bei ihnen sehr früh. Mit den Mitmenschen ist man jedoch lange nicht so zimperlich. Wer nicht für die WERPs ist, ist gegen sie und mit Feinden kennt man nun mal keine Gnade.
Beschimpfungen, Diffamierungen und Bedrohungen sind an der Tagesordnung und man steht oftmals fassungslos da angesichts der Tatsache wie aggressiv und gewaltbereit, sich die gewaltfreie Bewegung doch zeigt.
„Wenn ich je einen erwische, hau ich ihm in die Fresse“ ist ein gängiger Kommentar auf Facebook, wenn aversive Methoden gezeigt werden. Bei Bildern von verletzten Tieren folgen Androhungen von Selbstjustiz, Folter und Kastration. Online Hetzkampagnen gegen potentielle Tierquäler werden über die sozialen Netzwerke gestartet, Drohungen werden ausgestoßen und man versucht sich krampfhaft daran zu erinnern, dass diese Leute für Gewaltfreiheit in der Hundeausbildung stehen.
Egal wie man es dreht und wendet, dem normalen Menschenverstand will es einfach nicht einleuchten, wieso man dem Hund gegenüber so sanft ist und gegen die Mitmenschen mit unerbittlicher Härte vorgeht. Natürlich kommt dann sehr schnell das Argument, dass der Hund der bessere Mensch sei, die weniger korrumpierte Lebensform, der man mehr Respekt zollen muss.
Sei es wie es wolle. Am Ende bleibt einem nur eine Erkenntnis: Als Hundehalter sollte man immer auf der Hut und gut zu seinem Hund sein. Denn sonst kommt einmal der Tag an dem man einem Vertreter der gewaltfreien Hundeerziehung begegnet und herausfinden darf, ob die WERPs nur in der Anonymität des Internets gerne zur Gewalt aufrufen oder ob wirklich die Devise gilt: Erziehe gewaltlos, sonst hau ich dir eine aufs Maul…
 
 
 

 
 
 
 

 

Freitag, 27. Februar 2015

Quo Vadis DCM Aufklärung?





Es ist jetzt fast zwei Jahre her, dass die große Aufklärungswelle rund um das Thema „DCM beim Dobermann“ startete, Zeit sich einmal umzublicken und ein kleines Resümee zu ziehen.

Es begann im März 2013 mit dem DCM Film. Ich stehe dazu, dass ich dem Film bis heute zwiegespalten gegenüberstehe. Mir war die große Geheimniskrämerei die im Vorfeld betrieben wurde, suspekt und auch das Grundgerüst des Films gefällt mir bis heute nicht wirklich. Die Gegenüberstellung von Züchter A als dem rücksichtslosen, schlechten Züchter auf der einen Seite und Züchter B als positives Beispiel der voller Verantwortungsbewusstsein der desolaten Lage trotzt, stößt mir immer noch auf. Zumal die angeprangerte Züchterin nie die Möglichkeit bekam ihre Version der Ereignisse und die Hintergründe einer derart großen Zuschauerschaft zu präsentieren, wie es der Film mit den Anklagen gegen sie getan hat.

Sei es drum, mit dieser Meinung stand ich relativ alleine da – ich denke nur Freunde und Familie der an den Pranger gestellten Züchterin teilten sie vermutlich – und der Film wurde als großer Durchbruch in der DCM Aufklärung gefeiert. Es folgten Interviews mit anerkannten Kardiologen, Flyer, Homepages, der Aufruf zu einem Forschungsprojekt an der Uni Hannover, eine Petition und ein weiterer Film. Das Thema breitete sich über die sozialen Netzwerke aus und erreichte erstmals auch die Dobermannhalter jenseits der sehr begrenzten Welt des Rasseforums. Das Thema erreichte zwar die oberen Ränge der Zuchtvereine immer noch nicht, doch im Internet war es beim Thema Dobermann allgegenwärtig. Die Frage nach der Herzuntersuchung und den Eltern eines Hundes wurde bei jeder virtuellen Unterhaltung rund um den Dobermann schon fast obligatorisch. Heute ist es beinahe nicht mehr möglich irgendetwas rund um den Dobermann zu veröffentlichen, ohne dass das Thema DCM von irgendeiner Seite angesprochen wird.

Einerseits eine sehr positive Entwicklung, einfach weil der Alltag zeigt, dass Rasseinteressenten und sogar Erstzüchter immer noch viel zu wenig Ahnung vom Ausmaß dieser Krankheit haben. Doch langsam zeigte sich auch die Kehrseite der Medaille. Der Ton wurde immer rauer. Die Aufklärung wandelte sich schleichend an vielen Stellen immer mehr zur Zwangsbelehrung und die Geduld mit Unwissenden oder gar Andersdenkenden schwindet bis heute rapide. Stand früher augenscheinlich die Aufklärung im Vordergrund, beschleicht einen immer mehr das Gefühl, dass es heute mehr darum geht, einzelne Würfe und ganze Zuchtstätten an den Pranger zu stellen. Die Wortwahl ist dabei sehr oft deutlich unter der Gürtellinie und man merkt sehr schnell, dass es nicht nur darum geht, potentielle Welpenkäufer auf Fehler hinzuweisen. Es geht darum sich Luft zu machen. Viele Halter dort draußen sind wütend, wütend über den Verlust ihres Hundes, wütend über das Leid, dass sie erdulden mussten und sie sind nun fest entschlossen, diese Wut an jenen auszulassen, die ihrer Meinung nach gegen das Wohl der Rasse verstoßen auszulassen. Dabei ist es egal, ob es einen Züchter, einen Deckrüdenbesitzer oder einfach nur einen anderen Dobermannliebhaber trifft, der das Pech hatte, gerade anderer Meinung zu sein.

Es gibt wenige Züchter, die noch Gnade in den Augen der Aufklärer finden. Ein Schema nach dem man feststellen kann, wer in den erlesenen Kreis aufgenommen wird, ist dabei nicht zu erkennen. Bizarrer Weise scheinen gerade die Züchter, die durch sehr sorgsame Auswahl der Verbindungen und lückenlose Untersuchungen auffallen, besonders in der Schusslinie zu stehen. Jede Wurfankündigung wird unter die Lupe genommen und meist öffentlich auf Facebook zerfleischt. Es beschleicht einen bisweilen der Eindruck, dass manche der Personen erwarten, dass die Züchter wirklich um ihren Segen zur Wahl des Deckpartners fragen. Mäßigende oder kritische Stimmen sind nicht erwünscht. Wer es wagt, einzuschreiten, das Vorgehen zu kritisieren oder gar Partei für einen angegriffenen Züchter zu ergreifen, hat sehr schnell den ganzen wütenden Mob gegen sich. Nach der verbalen Dresche erfolgt in der Regel die Sperre und der Block für Thema und Gruppe, denn Quertreiber, die das Projekt gefährden könnten, sind nicht erwünscht.

Doch auch intern ist es mit dem Frieden längst vorbei. Freund und Feind zu unterscheiden ist nicht mehr so einfach wie noch vor zwei Jahren. Die Bündnisse wechseln schneller, als manch einer mitlesen kann. Wer gestern noch zusammenmit spitzer Feder gegen die DCM Leugner ins Feld zog ist sich heute spinnefeind und wer gestern noch Verbrüderung gefeiert hat, ist bereits zerstritten bevor die Tinte auf dem Kooperationsvertrag getrocknet ist. Die Revolution frisst ihre Kinder und man hat den Eindruck, dass der DV recht daran tut, das Thema einfach zu ignorieren. Wenn der hauptverein noch ein halbes Jahr durchhält ohne auf die Thematik zu reagieren, dürfte die Aufklärungswelle von alleine abebben, weil sich die Protagonisten letztlich gegenseitig zerfleischt haben.

Mir ist vollauf bewusst, dass ich hier gerade in einem Minenfeld tanze und mir das Ganze um die Ohren fliegen wird, die kommenden Tage. Die Empörung wird groß sein und viele werden ihr Luft machen und das nicht immer auf die höflichste Arts und Weise. Dennoch ist es mir ein großes Anliegen, dieses Problem anzusprechen. Die Thematik ist zu wichtig, als dass man zusehen könnte, wie sie durch zwischenmenschliches Gezicke und verletzte Eitelkeiten der Lächerlichkeit preisgegeben wird.

Der Dialog zu den Züchtern wird kaum noch gesucht, sondern man ergeht sich in einem Schwall aus polemischen Angriffen und Unterstellungen. Wundert sich aber im gleichen Atemzug darüber, dass sich die Attackierten immer weiter zurückziehen und nicht mehr gewillt sind sich den virtuellen Angriffswellen Tag für Tag entgegen zu stellen. Jede Woche ist ein neuer Züchter an der Reihe um zerrissen zu werden. Wer das Pech hat einen kranken Hund gezüchtet zu haben – und bei der heutigen Lage der Rasse ist das so gut wie jeder Züchter – und nicht augenblicklich so zu reagieren, wie es sich die online Inquisition gerade vorstellt, wird öffentlich zerfleischt. Dabei ist es vollkommen egal, dass der gleiche Züchter noch vor kurzer Zeit von denselben Menschen in den Himmel gelobt wurde. Wer sich der Aufklärungswelle in den Weg stellt, wird gnadenlos in ihr ersäuft. Ein Privatleben ist nicht mehr gestattet, denn wenn man die Unverschämtheit besitzt, ein paar Stunden am Tag nicht online zu sein, um sofort jedem Rede und Antwort zu stehen, hat man etwas zu verbergen, versucht etwas zu vertuschen oder läuft vor der Verantwortung davon.

Auch normale Dobermannfreunde die es wagen Kritik zu äußern, finden keine Gnade vor den Rettern der Rasse. Besonders auffällig wird dies, wenn man die Retter auf ihre Rettungspläne anspricht. Die Ideen gehen von einem neuen Zuchtverein, egal ob in der FCI oder außerhalb, der Kreation eines Designerdogs Dobermann bis hin zur Rückzüchtung des Dobermannes aus seinen (vermuteten) Ausgangsrassen. Möchte man die Schwachstellen dieser Pläne und deren genaue Ausführung hinterfragen, merkt man sehr schnell, dass diese Ideen nicht weiter als bis zur Formulierung des Vorhabens durchdacht sind. Aussprechen sollte man diese Entdeckung jedoch nicht laut, denn dies gleicht einem Stich ins Wespennest. Sofort stürzen sich wütende Aufklärer auf einen und posaunen groß und aggressiv in die Welt hinaus, dass sie wenigstens etwas ändern möchten. Hat dann nochmal jemand die Unverschämtheit, sie an die Realität zu erinnern und anzumerken, dass ihre Pläne an selbiger meilenweit vorbeigehen, kommt am Ende das Totschlagargument mit dem jede Diskussion abgewürgt wird:

DU kannst eigentlich gar nicht mitreden. DU hattest noch nie einen DCM kranken Hund. DU kannst das nicht verstehen.

Es stimmt. Der Kelch ist bisher an mir vorbei gegangen und ich hoffe auch weiterhin, dass meine Dobermänner die Statistik nicht lesen können und auch Dobermann drei und Dobermann vier, der irgendwann einziehen wird, ihr Leben lang DCM frei bleiben werden. Doch selbst wenn mich das Glück eines Tages verlassen sollte, denke ich nicht, dass ich derartige Rettungspläne als realistisch wahrnehmen könnte.

Gerüchten zu folge läuft die Spendenkampagne für den dritten DCM Film, die Aufklärungswelle schwappt mit aller Gewalt weiter durch das Internet und die internen Querelen toben weiter. Immer mehr Leute die zu Beginn Feuer und Flamme waren, wurden verheizt oder sind ausgebrannt und haben sich distanziert, die meisten Züchter wurden verprellt.

Quo Vadis DCM Aufklärung? Wohin geht die Fahrt, wohin die Reise? Ich glaube, ich möchte es in diesem Moment nicht wirklich wissen, denn ich habe das Gefühl, dass eine ursprünglich gute Idee dabei ist, in den Wellen die sie selbst geschlagen hat zu ertrinken. Noch im Juni 2014 hatte ich verkündet, dass ich die Nase voll habe von der Rasse, dass ich mich aus dem ganzen Geschehen zurückziehen und zu einem anderen Hund wechseln werde. In den darauffolgenden Monaten wurde mir klar, es ist nicht der Dobermann von dem ich genug habe, sondern es ist der aggressive Umgangston unter den angeblichen Rasseliebhabern, der mich in die Flucht getrieben hat. Dem Dobermann werde ich treu bleiben und meinen Teil beitragen. Sei es durch die Bereitstellung meiner gesunden Hündin für die Zucht, dem stetigen Dialog mit Züchtern und natürlich auch der weiteren objektiven Aufklärung auf unemotionaler Ebene.


Mittwoch, 25. Februar 2015

Fünf toxische Trainingspartner


 
Alleine Trainieren macht keinen Spaß und ohne den Austausch mit Trainingskollegen und ein ehrliches Feedback von außen kommt man auch sehr schnell in der Ausbildung ins Stocken. Wenn man weiterkommen möchte, braucht man Hilfe von anderen Sportlern, keine Frage. Doch leider gibt es nicht nur jene, von denen man profitieren kann, mit deren Hilfe man Probleme überwinden und sich weiterentwickeln kann. Ich möchte hier nicht über die Hundesportler schreiben, die anderen aus Böswilligkeit, Neid und anderen tieferen Beweggründen absichtlich schaden wollen und das Vorankommen der potentiellen Konkurrenz wissentlich sabotieren.

Aber es gibt auch die anderen, die die nichts Böses im Schilde führen und einem dennoch auf Dauer zum Einen als Ratgeber mehr Probleme bereiten, als sie beseitigen und zum Anderen als Hilfesuchenden den letzten Nerv rauben und somit jedes Training zur Frustveranstaltung werden lassen.

Ich denke jeder ist ihnen schon mal begegnet, den toxischen Trainingspartnern, zumindest einem von den fünf Archetypen auf die ich im Folgenden etwas genauer eingehen möchte.

 

Der 5 Minuten Profi

Der 5 Minuten Profi ist in erster Linie für Einsteiger ein sehr kritischer Trainingspartner, für erfahrene Hundesportler ist er meist nur eine Motivationsbremse und nervtötendes Trainingsanhängsel. Der 5 Minuten Profi ist selbst Neuling, aber in seiner eigenen Vorstellung hat er die Lehrjahre schon längst hinter sich gebracht, denn er hat sich belesen in dutzenden Büchern, im Internet informiert und da der Nachbar seines Großvaters das in seiner Kindheit auch schon gemacht hat, weiß es bestens Bescheid. Er weiß nicht nur alles, sondern er weiß alles besser. Obwohl sein erster eigener Hund gerade einmal vier Monate alt ist und noch nie in seinem Leben ein Apportierholz gesehen hat, könnte er einem Helmut Huber genau erklären, was er in seinem bisherigen Apportaufbau alles falsch gemacht hat.

Für erfahrene Hundesportler, die ihm beim Training helfen wollen, ist der 5 Minuten Profi ein Krafträuber, der die Energie aussaugt und die Geduld auf eine harte Probe stellt. Denn egal was er macht, Hilfe von außen braucht der 5 Minuten Profi nicht, denn er hat auf YouTube bereits ein Video dazu gesehen oder in einem Buch gelesen, wie es richtig geht. Alleine trainieren möchte er jedoch auch nicht, denn immerhin braucht jedes Genie Zuschauer, die seiner Brillanz huldigen. Das ist anstrengend und vor allem unbefriedigend, weil man im Grunde nur zusehen kann, wie er auf den Super GAU zusteuert, aber keine Einmischung duldet. Früher oder später steht der 5 Minuten Profi meist alleine auf dem Platz, weil irgendwann jeder Trainingskollege es leid ist, das Elend mitanzusehen und sich für angebotene Trainingshilfe und Tipps belehren und kritisieren lassen zu müssen.

Wirklich kritisch wird es, wenn ein Anfänger in den Sog des 5 Minuten Profis gerät und sich von seinem selbstbewussten Auftreten und dem vermeintlichen Wissen blenden lässt. Dann stolpern zwei Neulinge über den Platz von denen keiner eine Ahnung hat, wo lang es eigentlich gehen sollen, die sich aber beide jegliche Einmischung verbitten. Meist endet es damit, dass der Neuling irgendwann frustriert aufgibt und die Sportart wechselt, weil trotz Unterstützung eines vermeintlichen Profis keine Fortschritte zu erzielen sind. Der 5 Minuten Profi wird nichts daraus lernen, denn wenn seine Methoden nicht funktionieren ist er nicht kritikfähig genug, um einmal zu hinterfragen, ob das Scheitern vielleicht an ihm liegen könnte. Schuld sind in einem solchen Fall immer die anderen, die sein breites Fachwissen einfach nicht umsetzen konnten.

Eines jedoch kann man vom 5 Minuten Profi auf jeden Fall lernen, das schier unerschütterliche Selbstbewusstsein trotz vollkommener Ahnungslosigkeit.

 

Der „ja aber“ Suchende

Den „ja aber“ Suchenden findet man quer durch alle Ausbildungsstadien, vom Anfänger bis hoch zum erfahrenen Hundeführer wird man immer wieder diese Spezies von toxischen Trainingskollegen finden. Für Anfänger und Sportfreunde die auf der Suche nach Unterstützung bei ihrem Training sind, ist der „ja aber“ Suchende harmlos. Er hilft wo er kann und je nach seinem Wissen und Ausbildungsstand kann er als Unterstützung für andere gute Dienste leisten und eine Bereicherung sein. Für Trainer und Ausbildungswart ist der „ja aber“ Suchende jedoch ein Sargnagel par excellence. Denn für seine eigenen Trainingsprobleme nach der Grundausbildung ist der „Ja aber“ Suchende nicht wirklich an Lösungen interessiert, er sucht nicht nach Wegen zur Verbesserung der eigenen Leistung, er sucht nach Ausreden, wieso das Ganze jetzt gerade nicht so läuft, wie es sein sollte.

Wenn der Hund zögernd absitzt ist wahlweise der Boden oder das Wetter schuld, hält der Hund das Holz unruhig, liegt es am Holz und wenn der Hund unkonzentriert arbeitet liegt es am Spielzeug, den Mondphasen oder dem lila Elefanten, der am Morgenspaziergang den Weg kreuzte.

Er möchte zwar unterstützt werden und kleinere Tipps und Korrekturen dringen manchmal bis zu ihm durch, doch am großen Ganzen möchte er nichts ändern. Ihm ist durchaus bewusst, dass das Bild, das er und sein Hund abgeben nicht immer ideal ist, doch in seiner Vorstellung liegt das nicht an Ausbildungsfehlern, sondern stets an äußeren Einflüssen, die ihn und seinen Hund just in diesem Moment hemmen und behindern.

An seiner Ausbildungsweise und dem eigentlichen Können seines Hundes und auch seiner Person, zweifelt der „Ja aber“ Suchende keine Sekunde. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er bei schlechten Prüfungsergebnissen selten daran denkt, an bestimmten Übungen weiter oder mit veränderten Voraussetzungen zu trainieren, sondern eher nach dem idealen Richter, dem geeigneten Platz, dem passenden Helfer und dem besseren Wochentag für Prüfungen sucht.

 

Der Diktator

Der Diktator ist ein Relikt aus (noch nicht lange genug) vergangenen Zeiten, in denen es noch zum guten Ton gehörte, dass der Hund auf der Prüfung mit angelegten Ohren und eingekniffener Rute neben dem Hundeführer herschlich. Seine Arbeitsweise stammt aus einer Zeit, in der die einzige übliche Belohnung das Ausbleiben von Strafe war. Ausgebildet wurde über Zwang, Starkzwang und wenn das nicht ausreichte über sinnlose Gewalt.

Die Arbeit des Diktators sieht nie nach einem harmonischen Zusammenspiel zwischen Hund und Hundeführer aus, es ist ein ständiger Kampf. Es fallen ständig Begriffe wie „den Hund runtermachen“, „das muss er aushalten“, „dem zeig ichs schon noch“… ein Krieg gegen den eigenen Hund auf dem Trainingsplatz.

Für den Trainer der hier etwas Verständnis für moderne Ausbildungsmethoden wecken möchte, eine schier unlösbare Aufgabe. Man müsste meinen, dass der Diktator für Anfänger ein abschreckendes Beispiel und daher höchstens ein Ärgernis aber keine Gefahr darstellt. Doch bizarrer Weise findet auch in der modernen Zeit die Denkweise, dass ein Hund von Anfang an auch ohne jegliche Belohnung arbeiten muss, wieder vermehrt Anhänger. Zwar wird hier zu Beginn meist eine eher romantische Vorstellung von der Zusammenarbeit verfolgt, der Hund soll aus Liebe zum Hundeführer ganz ohne „Bestechung“ durch jegliche Belohnung arbeiten.

So harmlos es im ersten Moment klingen mag, der Weg zum Diktator ist nicht mehr weit. Zwar wird in den seltensten Fällen der Ungehorsam noch mit körperlichen Strafen sanktioniert, dafür greift man auf psychischen Stress zurück. Begonnen vom einfachen Ignorieren bis hin zur zeitweisen vollkommenen Isolation werden „gewaltfreie“ Strafen ersonnen, um dem Hund klar zu machen, dass er seinen Menschen mehr „lieben“ muss und doch bitte aus dieser besonderen Beziehung heraus, alles lernen und ausführen soll, um seinen Menschen glücklich zu machen.

 

Der Methodenhopper

Der Methodenhopper kennt sie alle, die großen Namen und ihre kleinen Trainingsweisheiten. Er war auf dutzenden Seminaren, hat mit Fuchs apportiert, mit Föry gefährtet und mit Lind Welpenprägung betrieben. Selbstverständlich hat er sich für die einzelnen Ausbildungsrichtungen nicht nur das notwendige Knowhow gesammelt, sondern sich auch mit dem entsprechenden Zubehör eingedeckt. Mit Feuereifer stürzt er sich auf seine neuen Erkenntnisse, um diese sofort in den Trainingsalltag aufzunehmen. Das Training vom letzten Monat war komplett veraltet und überflüssig, es wird alles auf die Erkenntnisse des letzten Meisters bei dem man in der Lehre (Seminar) war umgestellt.

Der Methodenhopper hat vieles gesehen, vieles gelernt, vieles ausprobiert und doch nie etwas zu Ende geführt und konsequent durchgearbeitet. Er mag immer die neuesten Erkenntnisse der einzelnen Seminarveranstalter kennen, doch was ihm fehlt ist der rote Faden in der Ausbildung, die Basis auf der sein Hund gearbeitet wird.

Helfen kann ihm beim Training im Verein kaum jemand, denn niemand war mit auf seinem neuesten Ausbildungswochenende und kann somit seine neuen Wege nicht nachvollziehen. Kritiker bedenkt er gerne mit einem mitleidigen Lächeln, da sie in seinen Augen nicht bereit sind, sich weiterzuentwickeln und ewig an einem überholten Trainingsansatz haften bleiben. Denn der Methodenhopper selbst hat ja auf seiner neuesten Bildungsreise gelernt, wie man es richtig macht. Würde dieser Trainingspartner auf einem seiner Seminarbesucher wirklich DIE Antwort auf seine Fragen finden, wären alle glücklich. Denn jeder Ausbilder freut sich, wenn ein Mitglied seinen passenden Weg in der Ausbildung findet. Doch leider gibt es den passenden Weg für den Methodenhopper nicht. Denn jeder neue Weg, ist der richtige – für den Moment.

Nach wenigen Wochen und anderen Erkenntnissen von einem neuen Guru, wird das Training wieder von Grund auf über den Haufen geworfen und komplett neu aufgezogen, denn Stillstand – auch in der Methodik – bedeuten den Tod des Fortschritts.

Darum kauft er heute Apportierholz und Apportierstachel nach Guru F, nach zwei Wochen wirft er beides auf den Müll und bestellt das Spezial Holz nach xy, das ebenfalls noch kurzer Zeit in Vergessenheit gerät, weil man auf einem neuen Seminar wieder eine andere, absolut einzigartige Methode des Apportaufbaus gelernt hat, die die einzig seligmachende Wahrheit vermittelt.

Der Hopper wechselt die Ausbildungsarten schneller als seine Trainingskollegen die Trainingsjacken und stürzt sich mit voller Begeisterung in jede neue Methode und verteufelt im selben Atemzug die bisherigen, da ihn ja keine davon zum Erfolg geführt hat.

Wer in die Obhut eines Methodenhoppers gerät, sollte große Vorsicht walten lassen. Zu schnell lässt man sich von den vermeintlich innovativen ganz neuen und einmaligen Ausbildungsideen mitreißen und verliert dabei den roten Faden und die individuellen Bedürfnisse des eigenen Hundes aus dem Blick. Es spricht nichts dagegen regelmäßig über den Tellerrand zu schauen und zu prüfen, ob man nicht einzelne Trainingsideen aus anderen Konzepten zum eigenen Repertoire hinzufügen kann, weil sie zum eigenen Hund passen. Aber wer sich vom Methodenhopper mitziehen lässt und heute nach X Morgen nach Z und am Mittwoch nach D trainiert, wird zwar viel kennenlernen und eine Menge Geld für Seminare und teils sinnbefreites Trainingszubehör ausgeben, eine belastbare, zuverlässige Ausbildung des Hundes, wird er jedoch nie zustande bringen.

 

Der Aufdreher

Den Aufdreher findet man vorrangig im Schutzdienst. Sein Credo für die Arbeit lautet „Trieb, Trieb, wir brauchen Trieb“. Je höher der Hund dreht desto besser. Ruhe wird überbewertet und Kontrolle braucht man zu Beginn auch nicht. Der Hund soll vor Vorerwartung am besten singen und an der Leine Pirouetten drehen, bis der Hundeführer ihn fast nicht mehr halten kann.

Schnell und willig soll der Hund beim Anblick des Helfers sein, die ganze Welt ausblenden und nur noch die Beute im Sinn haben. Der Aufdreher ist laut und schnell oft an der Grenze zur Hektik und gerade für Neulinge ist er ein Rattenfänger, denn in dieser Phase seiner Arbeit sieht alles einfach nach Spaß aus. Kaum Gehorsam, lautes Anfeuern, es geht schnell zur Sache und alle scheinen Spaß zu haben. Keine großen technischen Übungen, kein langes herumprobieren und keine langen Gehorsamsübungen, sondern den Hund hochdrehen und los geht es.

Bis eines Tages das bittere Erwachen kommt. Denn bei allem Spaß soll die ganze Übung ja irgendwann in der Prüfungsreife enden und dann kommt Phase zwei dieser Ausbildungsmethode. Zum Aufdrehen gehört nämlich auch das Runterschlagen und an dieser Stelle ist der Spaß vorbei und viele Anfänger komplett entsetzt. Die Frage, wie sie ihren komplett überdrehten Hund jemals wieder unter Kontrolle bringen wollen, haben sie erfolgreich verdrängt oder sie wurde vom Aufdreher mit einem lässigen „das kriegen wir dann schon“ auf später verschoben.

Die Kollision mit der Trainingsrealität trifft die meisten vollkommen unvorbereitet und lässt nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Oftmals wird dieser Punkt zum Scheideweg der Sportlerkarriere. Starkzwang wird abgelehnt und der Versuch einen Hund der ein, zwei Jahre lang gelernt hat, beim Anblick des Helfers hysterisch zu werden, mit möglichst positiven Methoden wieder zur Ruhe zu bringen, wird nach einigen Monaten oftmals frustriert aufgegeben. Der Aufdreher zieht weiter und motiviert den nächsten Anfänger mit lauten und schnellen Aktionen dazu, den Hund ruhig mit ordentlich Trieb zu arbeiten.

Wobei man dem Aufdreher zugestehen muss, dass für ihn die alte Weisheit von Paracelsus zutrifft, die Menge macht das Gift. In kleinen Dosen genossen, kann er durchaus hilfreich sein, zum Beispiel um einen Hund aus einem Motivationstief zu holen oder generell auch einfach mal in anderen Erregungszuständen zu arbeiten.  Allerdings gilt hier eben wirklich, den „Spaß“ nur kontrolliert ablaufen zu lassen und klar zu trennen, was man gerade trainieren möchte.

 

….und nun wünsche ich allen dort draußen viel Spaß beim wöchentlichen Training und viel Glück, dass er von konstruktiven und kollegialen Mitsportlern umgeben ist und die toxischen Trainingspartner weitestgehend vermeiden kann.