Mittwoch, 24. Juni 2015

Boykottieren wir China!




Seit ein paar Tagen ist die Hundeausstellungswelt in heller Aufruhr. Ein österreichischer Richter hat sich öffentlich gegen die Vergabe der FCI World Dog Show an Russland (2016) und China (2019) ausgesprochen. Zu brutal der Umgang mit Hunden zu wenig Rücksicht auf die Menschenrechte, in diesen Ländern und die Internetgemeinde klatscht ordentlich Applaus, teilt das Posting, wettert gegen die FCI und schreit nach Petitionen.

Auf das Thema Menschenrechte möchte ich hier nicht weiter eingehen, diese politische Dimension passt nicht zu diesem Blog, aber zu der Frage „wie kann man eine Hunde Show in einem Land abhalten, in dem Gewalt gegen Tiere so normal ist“ möchte ich mir doch meine Gedanken machen.

In diesem Jahr war die World Dog Show in Mailand, Italien. In einem Land in dem es in ländlichen Gegenden immer noch normal ist, Hunde an der Kette zu halten. In einem Land in dem man untaugliche Jagdhunde erschießt oder einfach aussetzt und sich selbst überlässt. In einem Land in dem in den städtischen Tierauffangstationen hunderte Hunde vor sich hinsiechen und drauf warten eingeschläfert zu werden.

Wieso wurde nicht gegen Italien protestiert?

2013 wurde die World Dog Show in Budapest Ungarn abgehalten. Einem Land in dem Hundefänger die Straßenhunde von den Hund in Auffanglanger schaffen. Wo sie in Käfigen und an Ketten warten, bis sie euthanasiert oder von Tierschützern abgeholt wurden.

Wieso wurde nicht gegen Ungarn protestiert?

2003 wurde die World Dog Show in Dortmund, Deutschland abgehalten. Einem Land in dem letztes Jahr eine Dobermannhündin mit Klebeband gefesselt und in einem See ertränkt wurde. Einem Land in dem man 2013 einen gehäuteten Welpen in einer Hecke gefunden hat. Einem Land in dem regelmäßig Tierschutzauffangstationen und Vermehreranstalten ausgehoben werden, wo verhungerte und von anderen Tieren getötete Kadaver herumliegen.

Würde jemand gegen Deutschland protestieren?

 

Man sitzt sehr bequem hoch oben auf seinem westlichen Ross und blickt mit gerümpfter Nase um sich, obwohl man sich vielleicht erst einmal an selbige fassen sollte. In Dänemark hat man versucht ganze Rassen mithilfe des Gesetzes auszurotten, in Großbritannien werden jedes Jahr untalentierte Rennhunde auf grausame Weise entsorgt, in den USA euthanasiert man Monat für Monat tausende Hunde die im Augenblick niemand haben will…

Sind unsere Gesellschaften im Westen wirklich so zivilisiert und fortgeschritten im Umgang mit unseren Hunden, dass wir uns aufspielen dürfen ein ganzes Land, ein ganzes Volk zu verurteilen, dass sie nicht das Recht hätten, mit einer solchen Show bedacht zu werden, weil der Umgang mit den Hunden zu grausam sei?

China mag aus diversen Gründen keine glückliche Wahl sein, aber sich hinzustellen und die Aberkennung der Zusage auf Grund dieses Arguments zu fordern, ist in meinen Augen einfach verlogen. Die Herren Richter, Facebook-Fans und Petitionsschreiber sollten vielleicht erst einmal die Ärmel hochkrempeln und vor der eigenen westlichen Haustüre kehren. Wenn wir die massiven Tierschutzverstöße in den eigenen Breitengraden im Griff haben, dann dürfen wir uns anschicken und mit dem Finger auf die anderen zeigen. Bis zu diesem Tag sollten wir alle kleine Brötchen backen.

 

Oder wir haben alle die Courage und ziehen den Boykott wirklich durch, mit allen Konsequenzen. Online ein Kreuzchen setzen, ein „Like“ klicken und große Parolen schreien kann jeder. Also meine lieben „boykottiert China“ Schreier, fangt doch mal an. Der Boykott von chinesischem Essen dürfte noch leicht fallen. Als nächstes ist der Kleiderschrank dran, alles raus was „Made in China“ ist, Schuhe, Pullover, Jacken, einfach alles. Schritt drei, ran an die Elektronik. Trennt euch von allem was in China hergestellt wurde oder technische Bauteile aus  China enthält, egal ob Fernseher, Tablett oder Smartphone, Bauteile von Autos oder Kameras.

Schon vergessen? Ihr boykottiert China und das gehört eben dazu!

 

Ich finde es ein wenig schade, dass wir es vermutlich nie mitbekommen werden, ob jemand es wirklich durchzieht. Denn die meisten Boykott-Schreier werden sich schnell einer neuen Thematik zuwenden, die sie posten, teilen und liken können und von den anderen wird man nie etwas lesen, weil sie sich durch den Boykott aus den weiten des Internets verabschieden werden.

Aber eines sei Gewiss, begegnet mir eines Tages jemand der eine Kittelschürze Made in Germany trägt und mit seinem Pferd zur Arbeit reitet, wird dieser jemand meinen vollen Respekt haben, dafür dass er seinen Boykott Aufruf ernst genommen und gelebt hat.

Sonntag, 7. Juni 2015

Angelika Bodein - Mentaltraining für Hundesportler


Unser drittes Buch…

Ich weiß nicht so recht, was ich von dem Buch erwartet habe, aber eigentlich habe ich durchaus viel erwartet, oder zumindest etwas mehr, als ich am Ende bekommen habe.

Bessere Leistung in der Prüfung durch mentales Training, Erfolg durch positive Einstellung. Bodein präsentiert in ihrem Buch die Grundsätze des Mentaltrainings, wie man die kleine Stimme im eigenen Kopf zum Schweigen bringt, die einem ständig einflüstert, dass man ohnehin versagen wird, dass man den Erfolg nicht verdient hat. Positive Gefühle und Einstellungen einfangen, die eigene Einstellung und Sichtweise mit ein paar einfachen Übungen ändern und sich vor allem der psychischen Stolpersteine und Fanghaken im eigenen Leben bewusst werden.

Mit seinen gerade Mal 92 Seiten liest das Büchlein schnell und flüssig. Es vermittelt ein positives, hoffnungsvolles Gefühl für das nächste Training, aber irgendwie will sich keine rechte Zufriedenheit mit dem Buch einstellen. Bisweilen hat man das Gefühl, dass das Buch etwas lieblos und ohne direkten Bezug zum Thema Hund und Hundesport zusammengeschrieben wurde.

Zwar verknüpfen die netten Cartoons das geschriebene Wort immer wieder mit dem Bild von Hunden, hie und da erscheint ein Schmuckfoto mit Hund-Halter-Teams beim Sport, aber der Rest ist leider wenig Sport bezogen.
Man kennt vieles bereits aus den Programmen der Motivationscoaches und der „positiv denken, glücklich leben“ Bewegung. Vermutlich gibt es in dem Bereich auch nicht viel Neues und eventuell noch weniger Themenbezogenes für den Hundesport. Ich persönlich frage mich allerdings, ob es unbedingt ein spezielles Buch dazu geben muss.

Tante Google hat ausgespuckt, dass es die Mentaltraining Bücher mittlerweile für jede Sportart gibt. Hundesport, Reiten, Handball, Fußball…. Jeder hat seinen eigenen Ratgeber bekommen. Bleibt fraglich, ob man nicht besser zu einem der allgemeinen, aber deutlich umfangreicheren Werke greifen sollte. Sicher profitieren auch Hundesportler von einer Änderung der Einstellung und dem Hinterfragen und Erkennen von alten Überzeugungen, ob sie dafür ein extra für sie geschriebenes Buch benötigen, halte ich persönlich für zweifelhaft.

Wer sich noch nie mit dem Thema auseinandergesetzt hat, wird die ein oder andere hilfreiche Technik kennen lernen. Wer schon einmal in Kontakt mit Mentaltraining war, wird höchstens hier die korrekten Begrifflichkeiten noch erlernen.

Schade…

 

Als nächstes auf der Leseliste:
Sabine Neumann – TierHeim Schicksal oder Chance?!

Freitag, 22. Mai 2015

Wo sind all die Sportler hin

 

Jedes Jahr werden tausende Gebrauchshunde alleine in Deutschland geboren. Jedes Jahr versprechen tausende Welpenkäufer diesen Nachwuchs sportlich auszubilden und zu führen und jedes Jahr verschwinden tausende Nachwuchssportler mit ihren vierbeinigen Sportkollegen quasi vom Erdboden.
Mein Rüde hat fünf Wurfgeschwister. Eine Hündin wurde als Suchhündin beim privaten Wachdienst ausgebildet, ein Rüde wird hobbymäßig im Mantrailing geführt, der Rest des Wurfes ist von der Bildfläche verschwunden, keine Ausbildungskennzeichen hinterlegt. Meine Hündin hat acht Wurfgeschwister. Eine Schwester wird in der IPO gearbeitet, eine weitere Schwester wird in BGH geführt. Der restliche Wurf ist weg.

Wo sind all die Sportler hin?

Die Leute kommen zum Hundeplatz, mit jungen gut veranlagten Hunden, hochmotiviert und werden an den meisten Orten auch freundlich und offen empfangen. Sie freuen sich, trainieren ein wenig, haben große Pläne, trinken Kaffee und verschwinden eines Tages plötzlich wieder. In den wenigsten Fällen gab es einen Vorfall, nur selten gab es böses Blut. So schnell wie die Begeisterung für den Hundesport und die Arbeit mit dem jungen Familienzuwachs kam, ist sie auch wieder verschwunden.

Ein Phänomen mit dem nicht nur der IPO Sport zu kämpfen hat. Auch in den Agility Vereinen und den Hundeschulen bietet sich ein ähnliches Bild. Die Kurse sind in der Regel besser gefüllt als der IPO Platz, das ist gewiss, doch besucht man die Kurse ein halbes Jahr später sieht man die altbekannten Recken, die dem Sport seit Jahren die Treue halten und neue motivierte Gesichter, die in ein paar Monaten wieder verschwunden sein werden.

Woran liegt es, dass künftige Weltmeister beim Welpenkauf wie Primelchen aus dem Boden schießen, nur um so schnell wieder zu verschwinden wie sie aufgetaucht sind? An der Qualität der Hunde kann es nicht liegen und wenn man sich umsieht und erkennt wie vielschichtig und modern die Ausbildungsmethoden auch in der SV OG der tiefsten Provinz geworden sind, kann es in der breiten Masse auch nicht daran liegen, dass die ewig vorsintflutlichen Ausbildungswege moderndenkende Hundefreunde verschreckt haben.

Vielleicht liegt es an der modernen Erwartungshaltung. Erfolg muss sofort sichtbar sein, er muss schnell eintreten und falls irgend möglich sollte er auch bitte vom Himmel fallen. Die Wenigsten sind heute nach bereit oder fähig, für ihren Erfolg auch wirklich zu arbeiten. Man kommt sich bisweilen vor wie im Kindergarten. Langzeitplanung liegt den Meisten nicht mehr und wenn man nicht binnen ein paar Wochen auf demselben Trainingsstand ist, wie der Vereinskollege, der seit zwei Jahren konsequent arbeitet und die größten Rückschläge schon hinter sich hat, verlässt manchen schnell die Motivation.

Es ist „in“ geworden, sich wie ein bockiges kleines Kind hinzustellen, mit dem Fuß aufzustampfen und alles hinzuwerfen, wenn der Weg mal steinig wird und man seinen Willen nicht sofort bekommt. Eine Entwicklung die per se nichts mit dem Hundesport zu tun hat, deren Auswirkungen man aber nur zu deutlich auf den Hundeplätzen spürt.
Wird zu Beginn noch fleißig trainiert, kommen die Neulinge bald nur noch zum Plaudern und Kaffeetrinken und bald gar nicht mehr. Vergessen die großen Vorhaben, vergessen die Worte die man dem Züchter sagte, als die Pläne noch groß und vor allem theoretisch waren. Durchhalten, sich auch über längere Zeit für eine Sache engagieren können nur noch wenige dieser Tage.

Hie und da findet man noch einen, einen vom alten Schlag bei dem das Interesse nicht nur ein schickes Strohfeuer ist. Einen, der nicht nur dem aktuellen Trend hinterherläuft und in Kürze zum nächsten In-Sport mit oder ohne Hunde wechseln wird. Teamplayer mit Durchhaltevermögen und echtem Engagement sind selten geworden in der modernen Gesellschaft. Eine traurige Entwicklung und es bleibt nur zu hoffen, dass es ein Umdenken geben wird, nicht nur im Interesse des Hundesports.

Montag, 11. Mai 2015

Wenn Hänschen nicht schwimmen kann...


 
…ist bekanntlich ohnehin immer das Wasser schuld. Die Prüfungs- und Turniersaison hat begonnen, die ersten Meisterschaften haben stattgefunden und sie blüht wieder, die große bunte Ausredenkultur.

Für uns steht die erste Prüfung an und ja ich habe weiche Knie dabei, weil ich weiß, dass wir gerade in der Unterordnung noch so ein paar Defizite haben, bei denen ich mir nicht sicher sein kann, ob die kleinen bunten Glasperlen im Kopf meines Hundes nicht plötzlich anfangen Samba zu tanzen und es der Madame mitten in der Arbeit die Sicherungen rauslässt. Das ist der aktuelle Stand auf dem wir gemeinsam kämpfen. Dafür gibt es viele Gründe, sicher auch einige Ausreden, aber wenn die Prüfung gelaufen ist, ist dieser Stand die Ursache für das Ergebnis.

Haben die Trainingskollegen an diesem Nachmittag ein besseres Ergebnis in der Leistungsurkunde stehen, wird es daran liegen, dass sie am Prüfungstag den besser vorbereiteten Hund hatten. Mag sein, dass einige es bei der Ausbildung leichter hatten, weil sie einen besser veranlagten Hund an der Leine haben, aber am Ende wird es immer das Ergebnis der eigenen Arbeit sein.

Umso erschreckender finde ich die Statements, die man zurzeit in diversen Foren, auf Facebook und auf Vereinsseiten zu lesen bekommt. Vor der Prüfung wurde groß getönt, was man alles hat und kann und mit welchen Ergebnissen man definitiv nach Hause kommen wird. Die Ernüchterung folgte sehr schnell, wenn der Richter die Betroffenen bei der Besprechung recht unsanft mit der Realität kollidieren ließ. Erschreckend ist nur die Reaktion der Leute. Die Idee, sich das nächste Mal besser vorzubereiten taucht nur selten auf. Nein es wird darüber gewettert, dass man das hässlichere Stück der Fährtenwiese hatte, dass der Richter bei den Fehlern der anderen nur gerade auf sein Richterblatt gesehen hat und dass der Figurant ein Stümper war. Schuld an der eigenen durchschnittlichen Leistung sind sofort die anderen.

Selbst auf der FB Seite eines amerikanischen Trainers ist plötzlich die eigene Nationalität ein Hinderungsgrund, weil man durch die lange Anreise, die fremden Helfer und die ausländischen Richter immer nur Nachteile habe. Teilnehmer aus China… die sind eben einfach nur untalentiert, haben die schlechteren Hunde und sind von der Ausbildungsweise nicht auf dem Stand der Zeit. Bei den Amerikanern ist es die Tatsache, dass die Richter keine Amerikaner waren und die Meisterschaft in einer anderen Zeitzone stattgefunden hat.

Wie es ein Deutscher geschafft hat die WUSV WM in den USA zu gewinnen, steht auf einem anderen Blatt.

Es ist traurig, dass man sich selbst in den hohen Sporträngen mittlerweile damit angefreundet hat, sich nicht der Kritik zu stellen und an sich selbst zu arbeiten, sondern in erster Linie eine schnelle Erklärung zu suchen und am Liebsten eine, bei der jemand anders Schuld ist.

Ich werde dieses Jahr auf einigen Prüfungen und Meisterschaften auf den Zuschauerrängen stehen und ich hoffe, dass ich es wieder öfter erleben werden, dass in dem Moment wenn Hänschen untergeht nicht auf das Wasser geschimpft, sondern wieder überlegt wird, ob man den Schwimmunterricht nicht doch anders gestalten sollte.

 

In diesem Sinne, euch allen eine erfolgreiche und selbstkritische Prüfungssaison.
 
 

Donnerstag, 9. April 2015

Christopher Posch „Die Welpenmafia – Wenn Hunde nur noch Ware sind“


Unser zweites Buch…

Das Thema Wühltischwelpen ist derzeit in den Medien sehr präsent. Auch wenn das Privatfernsehen langsam wieder beginnt, das Interesse zu verlieren, laufen im Internet noch die Aufklärungskampagnen. Egal ob VDH, Tasso oder der Deutsche Tierschutzbund, alle beteiligen sich an der „Nein zu Wühltischwelpen“ Kampagne.
Das Buch von Rechtsanwalt Christopher Posch entstand in den Anfangszeiten, als das Privatfernsehen die Thematik für sich entdeckte und im Rahmen einer Reality Show mit Herrn Posch den Fall einer Welpenkäuferin und ihrem Kampf gegen den Verkäufer ihres kranken Hundewelpen zeigte.

Mit diesem Fall eröffnet der Autor auch sein Buch. Etwas steif mit ordentlich Juristendeutsch schildert er die Geschehnisse rund um den Billigkauf eines Havaneserwelpen. Deutlich emotionaler gestalten sich die Folgekapitel, die Co Autorin Birgitt Thiesmann von Vier Pfoten verfasst hat. Sie schildert die Zustände auf den Welpenmärkten, die Masche mit dem Mitleid und appelliert eindringlich an die Leser, sich nicht hinreißen zu lassen.

Allein für diesen einen Satz aus Kapitel 8: „Eine der wichtigsten Leitlinien im Kampf gegen den illegalen Welpenhandel lautet, niemals ein Tier aus Mitleid zu kaufen oder weil es billig ist. “ würde ich am liebsten dafür plädieren, dass jeder dieses Buch lesen sollte, bevor er über die Anschaffung eines Hundes nachdenkt.
Doch leider bleibt der Satz eines der wenigen Highlights im Buch. Frau Thiesmann schildert weiter von Dreharbeiten, der Räumung einer Welpenfabrik, den Zuständen auf den polnischen Märkten auch nach Verschärfung des Tierschutzgesetzes, der Beschlagnahmung von Schmuggelwelpen auf einem deutschen Parkplatz und gefälschten Impfausweisen aus aller Herrenländer.

Die Thematik ans ich ist interessant und wichtig, doch leider springen einen ständig die Werbenamen der beteiligten TV Produktionen aggressiv an und jeder der im Fernsehen auch nur eine einzige Reportage zum Thema illegaler Welpenhandel gesehen hat, kennt die von Posch und Thiesmann zu Papier gebrachten Geschichten bereits in Wort und Bild, denn etwas neues wurde den RTL Reportagen in diesem Buch nicht hinzugefügt.

An die Schilderungen der Erlebnisse auf dem Polenmarkt schließt eine allgemeine Schilderung von möglichen Krankheiten an, neben Parvovirose und Staupe wird auch die Tollwut als immer noch drohende Gefahr dargestellt und der präsentierte Impfplan der Impfkommission ist in der heutigen Zeit auch bereits veraltet und veranlasst jeden der sich mit dem Thema des individuellen Impfplans und den aktuellen Gültigkeiten der Einzelimpfungen beschäftigt hat, nur mit dem Kopf zu schütteln.

Generell präsentiert sich Poschs „Welpenmafia“ wie ein mittelmäßig recherchierter Bericht aus einer RTL Nachmittags-Boulevard-Sendung - aus einem solchen ist es zweifellos wohl auch entstanden. Es wechseln tragische Fallberichte mit hohem Taschentuchfaktor über totkranke, sterbende Welpen und misshandelte, traumatisierte und kranke Hündinnen mit trockenen Passagen über juristische Hintergründe. Das Buch will und will einfach keinen einheitlichen Tonfall finden, der es dem Leser leicht macht, die 29 Kapitel durchzuhalten.

Die anschließende Vorstellung von drei vorbildlichen VDH Zuchten ist gut gemeint, driftet aber etwas zu sehr in Lobhudelei ab und verstärkt die Klischeewirkung des Buches mit dieser extremen schwarz-weiß Malerei nur noch zusätzlich. Die Intention zu zeigen, welche Arbeit sich seriöse Züchter machen ist wirklich ehrbar, doch wie an so vielen Stellen in diesem Buch fällt auch dieses Kapitel unter das Stichwort „gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht“. Die allgemeine Checkliste vor der Hundeanschaffung vermittelt eher das Gefühl von Füllstoff. Die Auflistung von „Habe ich genug Zeit“ bis „Wer füttert Waldi im Urlaub“ steht in gefühlten tausend Büchern und doppelt so vielen Artikeln, wieso man dem ein eigenes Kapitel in einem Buch über illegalen Welpenhandel widmen muss – zumal mit keinem Wort die Wahl eines seriösen Züchters erwähnt wird – bleibt rätselhaft.

Die anschließenden „Briefe von Betroffenen“ sollten vermutlich das Gesamtbild abrunden und beweisen, dass sich das Buch nicht an Einzelfällen aufhängt. Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich einfach kein Mitleid mehr empfinden kann für die „Opfer“ der Welpenmafia. Wer vor 30 Jahren auf den Großhändler von Ammereuth rein gefallen ist, hatte damals Pech. Wer bei der heutigen Informationsflut auf dem Polenmarkt, aus einem Kofferraum oder beim Großhändler einen Welpen kauft, gehört für so viel Dummheit einfach bestraft. Da beißt die Maus für mich keinen Faden ab. Bei jedem Erfahrungsbericht, dachte ich nur „geschieht euch ganz recht, hätte euch noch mehr Geld kosten sollen, dann merkt ihr es euch vielleicht fürs nächste Mal“. Bei jeder Waschmaschine wird mehr Aufwand und Recherche betrieben, als beim durchschnittlichen Welpenkauf.
Den Abschluss bilden ein „nicht alle Menschen sind schlecht“ Epilog von Frau Thiesmann und eine kitschige „Ich bin dein Welpe“ Geschichte.

Ich würde das Buch wirklich gerne mögen, ich würde es gerne weiterempfehlen, weil es ein so aktuelles Thema behandelt, dass mit so viel Leid für Tier und Mensch verbunden ist und man dieses Leid nur eindämmen oder gar stoppen könnte, wenn sich mehr Menschen über die Abläufe im Hintergrund bewusst wären und nicht nur auf der Jagd nach dem nächsten Schnäppchenrassehund wären. Doch leider kommt Poschs "Welpenmafia" nicht über das Niveau einer RTL Vorabendreportage hinaus und verschenkt sein ganzes Potential in dem es im Grunde eine schnöde Nacherzählung von dutzendmal gesehenen TV Beiträgen. Jeder der sich auch nur einen der Beiträge angesehen hat, wird aus dem Buch nichts Neues erfahren. Einzig Leser die noch nie Berührung mit dem Thema hatten, können in diesem Buch Denkanstöße finden, allerdings dürfte der Stilmix viele Leser abschrecken.

Bleibt zu hoffen, dass sich eines Tages ein anderer Autor dieses wichtigen Themas annimmt und einen runden, informativen und gut strukturierten Text zum Thema Vermehrer und illegalen Welpenhandel auf den Markt bringt, der die Aufklärung wirklich unterstützt. 

Freitag, 27. März 2015

Schluss mit lustig



 
Es ist in aller Munde und auf immer mehr Sportplätzen und bei fast jeder Hundeschule zu finden, das Just4Fun Training. Die IPOler scheinen hier mal wieder eine Sonderstellung zu haben. Vielleicht fehlt uns einfach der Humor, aber bis jetzt sind mir noch keine Just4Fun IPOler untergekommen, jeder hat das Training – mehr oder weniger – ernsthaft betrieben mit dem klaren Ziel, eine Prüfung abzulegen.

Doch wirft man einen Blick über den Tellerrand wird der „Fun“ ganz groß geschrieben. Just4Fun Agility, Just4Fun Disc Dogging, Fun Trailing, Fun Obedience, Fun, Fun, Fun til her daddy took… ach nein, das war ja etwas anderes.

Lange habe ich mich gefragt, wo der Unterschied zwischen den Just4Fun Sportlern und den anderen liegt. Keiner den ich kennen gelernt habe, hat seinen Sport unter Zwang gewählt und ohne Spaß an der Sache, wäre keiner durch die lange Ausbildung mit seinem Hund gegangen. Also habe ich mich umgehört, mit den Just4Fun Sportlern geplaudert und nach dem Unterschied gefragt. Es sei weniger Ehrgeiz im Spiel, man würde sich selbst nicht so unter Druck setzen, auch mal fünf gerade sein lassen und eben einfach nur Spaß an der gemeinsamen Aktivität haben. Um mich selbst von dem Spaß zu überzeugen, wurde ich zu einem „Agility Fun Turnier“ eingeladen. Dort könne ich sehen, wie es ist, wenn nicht verbissen auf Zeit gelaufen wird, wenn der Hund Sportkumpane und nicht Sportgerät sei. Der Besuch würde mir die Augen für den Unterschied öffnen.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich, bevor ich mit Cardassia wieder zum IPO Sport zurückgekehrt bin, einige Jahre mit Agility geliebäugelt habe und mit Freunden die diesen Sport sehr erfolgreich betrieben, auf mehr als einem Turnier Besucher war. Auf jeden Fall hatten mir die Veranstalter nicht zu viel versprochen, das Turnier machte mir ein für alle Mal klar, wo der Unterschied zwischen Just4Fun und „normal“ lag. Ich sah an diesem Tag etwas über 20 Starter. Hunde die eigentlich zu groß und zu schwer waren, um vernünftig durch den Parcours zu kommen, Hunde die zu klein und leicht waren, um die Wippe zu bewegen. Hunde die mit solcher Geschwindigkeit auf den Laufsteg rannten, dass sie von der schmalen Lauffläche stürzten. Hunde die ungebremst auf die Schrägwand bretterten, oben kurz nach dem Scheitelpunkt absprangen und denen bei der Landung am Boden alle Gelenke gestaucht wurden. Hunde sie sich im Tunnel überschlugen, weil sie unkontrolliert hindurchrasten und noch vieles mehr.

Ich versuchte mir einzureden, dass man daran noch arbeiten würde. Doch auf den Hinweis nach der ausbaufähigen Technik der meisten Hunde, wurde empört reagiert. Man mache doch den Sport Just4Fun, da würde man sich und den Hund nicht mit dem ganzen Technikunsinn belasten, man wolle ja schließlich Spaß haben. Egal wohin ich auch sah, in allen Just4Fun Sportarten bot sich mir das gleiche Bild. Just4Fun hatte überall dieselbe Bedeutung: schlampig ausgebildet. Bei Fährtenarbeit und Unterordnung mag das noch harmlos sein, bei allen Sportarten bei denen eine körperliche Belastung hinzukommt, ist das der Punkt an dem der Spaß aufhört.

Gerne wird den ernsthaften Sportler die höher führen vorgeworfen, der Hund wäre ein Sportgerät, ein Gegenstand der in den Prüfungen verheizt wird. Doch sehe ich mich im persönlichen Umfeld um, ergibt sich ein anderes Bild. Die Hunde der „ernsthaften“ Sportler egal ob IPO oder Agility beendeten ihre Sportkarriere mit etwa acht bis neun Jahren, geplagt vom Beginn der üblichen Alterszipperlein, aber im Grunde fit. Die Just4Fun Sporthunde waren in dem Alter schon längst Dauerpatient beim Physiotherapeuten und Frührentner. Bandscheibenvorfall, Kreuzbandriss, Arthrosen und wiederkehrende Lahmheit zwangen die Just4Fun Fraktion schon früh zum Rückzug vom Sport. Eine Ursache erkannte niemand, manchmal hat man einfach Pech mit der Gesundheit des Hundes, gerade beim Mischling aus dem Tierschutz weiß man nun mal einfach nicht, ob der nicht genetisch vorbelastet war oder durch Mangelernährung in der Welpenzeit vorgeschädigt wurde. Also nahm man mit dem nächsten Hund das Just4Fun Training wieder auf. Auf technische Übungen verschwendete man keine Zeit, exaktes Ausarbeiten der einzelnen Geräte muss auch nicht sein, schließlich will man ja Spaß haben und das so schnell und so viel wie möglich. Regeln beim Training stören da nur, ebenso wie diese seltsame Modeerscheinung des Warm-Up und Cool-Downs rund um die Trainingseinheiten. Vorsorgeuntersuchungen sind auch nur etwas für kranke Rassen und wieso man einen Physiotherapeuten aufsucht, wenn das Tier nicht verletzt ist, stößt auch auf breites Unverständnis. Immerhin macht man alles ja nur Just4Fun, Röntgenbilder von Hüfte und Ellbogen braucht man ja nur für Turnierstarts…. Oder wenn der Hund nach vier Jahren voll Spaß plötzlich nicht mehr laufen kann.

Just4Fun…. Eine Beschreibung die unzählige Leute anzieht und für mich in den letzten Jahren immer mehr zum Warnhinweis geworden ist. Denn in fast allen Fällen die mir begegnet sind, stand Just4Fun für schlecht qualifizierte Trainer und schlampige Ausbildung, die im schlimmsten Fall zu Lasten der Gesundheit der Vierbeiner ging. Ich bin sehr froh, dass diese Entwicklung bislang keinen Einzug in den IPO Sport gehalten hat und hoffe, dass es so bleibt und auch in den anderen Sportarten der Trend wieder weg von zu viel "Fun" geht.
Denn bei Just4Fun ist für mich Schluss mit lustig

Erzieh gewaltfrei... sonst knallt es!


 
 
 
 
Ich denke es hat keinen Sinn es zu leugnen, deshalb bekenne ich mich lieber gleich von Anfang an zu der Tatsache, dass ich definitiv nicht zur Fraktion der „alles durch positive Verstärkung und nur durch positive Verstärkung und nichts als positive Verstärkung“ Fraktion gehöre. Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass ich in der Ausbildung Gewalt anwende, doch das Prinzip der körperlichen Korrektur ist meinen Hunden nicht fremd – weder den aktuellen noch den früheren.
Ich persönlich halte das Konzept der Erziehung und Ausbildung nur durch positive Bestärkung in meinem Lebensumfeld auch nicht für wirklich umsetzbar. Ist Cardassia gerade dabei unter den Nachbarshühnchen, die sich mal wieder in meinen Garten verirrt haben, ein Massaker anzurichten, überlege ich kein Alternativverhalten, das ich anbieten und positiv verstärken könnte und ich bin auch nicht gewillt das Ganze zu ignorieren in der Hoffnung, dass sie das Interesse verliert, wenn die Bestätigung von meiner Seite ausbleibt…. Nein, es gibt einen donnernden Befehl und Madame wird an dem Körperteil, das ich zuerst zu fassen bekomme nicht besonders sanft von ihrem auserwählten Opfer weggezerrt.
Aber um die Frage ob Erziehung und Ausbildung nur über positive Bestätigung überhaupt funktionieren kann, soll es hier nicht gehen. Die Thematik wurde bereits hunderte Male durchgekaut und dass eine Einigung der feindlichen Parteien nicht wahrscheinlich ist, war schon nach der ersten Behandlung der Frage absehbar. Wesentlich interessanter finde ich hingegen aktuell die extreme Diskrepanz die die „wir erziehen rein positiv“ Hundehalter (nennen wir sie doch einfachheitshalber WERP) in ihrem Verhalten gegenüber Mensch und Hund zeigen.
Ich wohne im direkten Einzugsgebiet einer der Vorreiterhundeschulen in der WERP Bewegung und habe somit zwangsläufig fast täglich Kontakt mit Vertretern dieser Philosophie. Doch auch in diversen online Foren trifft man sie immer häufiger. Menschen die in ihren Signaturen Phrasen wie „Gewalt beginnt, wo Wissen endet“ oder Schopenhauers „Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken.“ Auch Astrid Lindgren muss mit „Man kann in die Tiere nichts hineinprügeln, aber man kann manches aus ihnen herausstreicheln“ oftmals herhalten. Zitate die eine friedliche, liebevolle Grundeinstellung nach außen tragen sollen. Die Botschaft ist klar für alle zu erkennen und wird plakativ nach außen getragen: Wir sind gegen Gewalt, wir haben eine höhere Ebene erreicht und haben Auseinandersetzungen auf solch niedrigem Niveau nicht mehr nötig.
Es werden fleißig Artikel wie „Köpfchen statt Knöpfchen“ von C. v. Reinhart geteilt und Aktionen wie „Stachler gegen Trainingsstunde“ beworben. Alles wirkt friedlich und kultiviert, bis eines Tages einer daher kommt und es wagt den Vorstellungen der WERPs zu widersprechen oder noch schlimmer, gegen ihre Leitsätze zu verstoßen.
Plötzlich werden Weiber zu Hyänen und hinter den Masken der Pazifisten treten blutrünstige Berserker hervor, die nach Lynchjustiz plärren. Sehr schön zu sehen war dieser plötzliche Gewaltausbruch zuletzt anlässlich Herrn Grewes „Schüsselaffäre“. Plötzlich strömten User aus allen Himmelsrichtungen zusammen, die am Vortag noch gepredigt hatten, dass Gewalt zu verabscheuen sei und drohten einem Mann, den sie nie persönlich kennengelernt hatten öffentlich damit, ihn zusammenzuschlagen und schlimmeres, sollte er ihnen je begegnen.
Ein ähnliches Bild zeigte sich, als vor einigen Monaten die Falschmeldung über den Tod des amerikanischen Hundetrainers Cesar Millan durch Facebook geisterte. Statt Beileidsbekundungen klatschen die WERPs Applaus. Es wurde sich erleichtert darüber gezeigt, dass der „Dreckskerl endlich bekommen hat, was er verdient“. Nachdem der Hoax aufgeklärt worden war, zeigten sich viele enttäuscht. Eine Userin bedauerte es mit den Worten: „Schade, ich hätte es dem wirklich gegönnt.“ Eine Frau, die es am Tag zuvor aufs übelste verurteilt hatte, dass ein Hund für ein Fehlverhalten angeschrien wurde, wünschte einem Familienvater den Tod.
In Worten und dem Hund gegenüber predigen die WERPs den absoluten Gewaltverzicht und Gewalt beginnt bei ihnen sehr früh. Mit den Mitmenschen ist man jedoch lange nicht so zimperlich. Wer nicht für die WERPs ist, ist gegen sie und mit Feinden kennt man nun mal keine Gnade.
Beschimpfungen, Diffamierungen und Bedrohungen sind an der Tagesordnung und man steht oftmals fassungslos da angesichts der Tatsache wie aggressiv und gewaltbereit, sich die gewaltfreie Bewegung doch zeigt.
„Wenn ich je einen erwische, hau ich ihm in die Fresse“ ist ein gängiger Kommentar auf Facebook, wenn aversive Methoden gezeigt werden. Bei Bildern von verletzten Tieren folgen Androhungen von Selbstjustiz, Folter und Kastration. Online Hetzkampagnen gegen potentielle Tierquäler werden über die sozialen Netzwerke gestartet, Drohungen werden ausgestoßen und man versucht sich krampfhaft daran zu erinnern, dass diese Leute für Gewaltfreiheit in der Hundeausbildung stehen.
Egal wie man es dreht und wendet, dem normalen Menschenverstand will es einfach nicht einleuchten, wieso man dem Hund gegenüber so sanft ist und gegen die Mitmenschen mit unerbittlicher Härte vorgeht. Natürlich kommt dann sehr schnell das Argument, dass der Hund der bessere Mensch sei, die weniger korrumpierte Lebensform, der man mehr Respekt zollen muss.
Sei es wie es wolle. Am Ende bleibt einem nur eine Erkenntnis: Als Hundehalter sollte man immer auf der Hut und gut zu seinem Hund sein. Denn sonst kommt einmal der Tag an dem man einem Vertreter der gewaltfreien Hundeerziehung begegnet und herausfinden darf, ob die WERPs nur in der Anonymität des Internets gerne zur Gewalt aufrufen oder ob wirklich die Devise gilt: Erziehe gewaltlos, sonst hau ich dir eine aufs Maul…